Sichtlich genervt betritt John Berry, Leiter der Flugsicherung des Chicago O’Hare International Airport, den Tower.
Allem Anschein nach war er bereits auf dem nachhause Weg, was unschwer an Mantel, Hut und Aktenkoffer zu sehen war.
In dringenden Fällen ist Feierabend in seinem Beruf eher ein Wunschdenken.
Und dies sah nach einem dringenden Fall aus.
Eine kleine Gruppe von Mitarbeitern hatte sich um einen Fluglotsen versammelt und starte gebannt auf seinen Monitor. Sie
bildeten sofort einen Spalier als der Chef auf den Fluglotsen zusteuerte.
Allen Parker arbeitet seit 15 Jahren als Fluglotse am Airport.
„Warum in Gottes Namen wurde die Runway 10L/28R gesperrt ? Warum gerade unsere längste und wichtigste Runway ?“
fragte er den Lotsen.
„Sir, wir erwarten eine Notlandung“ gab Parker als Antwort.
„ Das erklärt nicht meine Frage warum es die 10L/28R sein muss.“ Oft genug hatten sie für eine Verirrung von Lear Jets
eines West Coast Promis Runways sperren müssen.
Notlandungen waren nichts ungewöhnliches, doch nie sperrte man dafür die wichtigste Runway.
„ Sir auf meinem Monitor erschien ein unbekanntes Flugobjekt ohne Kennung oder Kommunikation.
Es sind sofort 2 Abfangjäger aufgestiegen und haben laut Auskunft des Kampfpiloten alles unter Kontrolle.
Man hat sich per Handzeichen mit dem Piloten des Flugobjekts verständigt und ihn aufgefordert ihnen zu folgen und zu
landen. Sie müssten in Kürze zu sehen sein.“ Ohne den Blick vom Monitor zu nehmen, reichte er seinem Chef ein Fernglas.
„ Um was für ein Flugzeugtyp handelt es sich bei dem Flugobjekt ?“ fragte John Berry
ohne dabei die Augen vom Fernglas zu nehmen.
„ Das ist das Eigenartige und auch der Grund warum ich unsere längste Runway hab sperren lassen. Der Pilot des
Kampfjets gab durch es würde sich um eine Concorde handeln.“ Langsam und etwas verwirrt senkte John Berry das
Fernglas. „ Bitte was, eine Concorde ? Uns sollte klar sein, dass der Flugbetrieb der Concorde vor Jahren eingestellt
wurde. Ich geh mal davon aus, dass der Gute nie eine Concorde in der Luft gesehen hat.
Mag an seinem jungen Alter liegen. Eine Concorde! Das ich nicht lache.“
„ Sir jetzt sollten sie zu sehen sein,“ gab der Lotse bekannt und nahm ebenfalls sein Fernglas. Die Dämmerung hatte
eingesetzt und in der Ferne sah man die Lichter näher kommen. Kurz vor der Landung starteten die Abfangjäger durch und
drehten nach links und rechts ab. Ihr Job war erledigt.
Im Tower verfolgten alle angespannt die Landung des Flugzeugs. An der Runway standen Feuerwehr, Polizei sowie weitere
Rettungskräfte bereit für den Notfall.
Nach dem Aufsetzen der Maschine, welche aus Sicht des Towers wie ein riesiges Insekt aussah, verschlug es für einen
kurzen Augenblick dem Chef die Stimme. Dann fing er sich. „ Was in Gottes Namen geht hier vor ?“ gefolgt von einer
kurzen Pause. „Es ist eine Concorde ! Ja sie sieht aus wie eine Concorde !“ Dann wurde er ruhig. Ein kurzes Durchatmen
und er verkündete „ Nur handelt es sich hierbei um die Tu-144. Die sowjetische Version der Concorde. Eine Tupolev aus
den 70er.“ Man merkte deutlich dass einigen der Lotsen die 70er zu lange her waren. Klar kannten sie die Concorde, aber
eine Tu-144 ?
„Ich werde umgehend die Behörden verständigen und wünsche alle Beteiligten in einer Stunde im Panic Room zu sehen.“
gab John Berry bekannt.
Unter den Angestellten galt der Besprechungsraum für ungewöhnliche Aktivitäten im Flugverkehr gemeinhin nur als
Panic Room.
2
„Sind Sirene und Blaulicht wirklich nötig ? Ich meine die ganze Festbeleuchtung ?“ frage Tara Taylor ihren Fahrer. „Agent
Taylor, mein Auftrag lautet sie so schnell wie möglich zum Airport Gate 4 zu bringen. Ohne Blaulicht und Sirene, bräuchten
wir ewig bei diesem Verkehr. Sorry.“ Dabei lächelte er ihr im Rückspiegel freundlich zu und setzte gleich zu einem neuen
Überholmanöver an. Keine Chance, sie fuhr ja nicht im UBER, sondern in einem Town Car des F.B.I auf dem Weg zu einem
wohl dringendem Fall. Um was es im einzelnen ging würde sie vor Ort erfahren.
Airports sind für Tara kein schöner Ort. Sei es die ewige Hektik oder das Misstrauen bei den Kontrollen.
Kein wirklicher Ort um zu entspannen.
Tara liebte es mehr sich zu Fuss oder mit der Subway durch Chicago zu bewegen. Auch wenn sie in einem Auftrag
unterwegs war. Man nahm mehr war.
Nachdem sie im letzten Jahr, was auch gleichzeitig ihr erstes beim FBI war, einen Fall mit mysteriösen Ereignissen gelöst
hatte, galt sie bei der Truppe als Spezialist für solche Fälle.
Mit Übersinnlichem oder Ähnlichem hatte sie nicht wirklich etwas am Hut.
Sie hatte sich vorgestellt als F.B.I Agent böse Jungs zu jagen und zu verhaften, aber ihr Chef war da anderer Meinung. Für
ihn war sie die richtige für solche Fälle.
Terror oder Geiselnahme ging ihr durch den Kopf. Bitte nicht. Auf jeden Fall ernst genug um das FBI einzuschalten.Sie
lehnte sich im Font zurück und versuchte etwas zu entspannen.
Am Gate 4 wurden sie bereits von einer Mitarbeiterin des Airports empfangen.
Sie stellte sich als Emily Harper aus der Presseabteilung vor und bat Agent Taylor freundlich ihr zum Besprechungsraum zu
folgen. „Möchten sie das ich hier warte ?“ fragte der Fahrer.
„Nicht nötig. Danke. Ich nehme die Subway zurück.“ antwortete sie mit einem verschmitzten Lächeln.

Worauf der Wagen kehrt machte und sich entfernte. Ohne Sirene und Blaulicht.
3
„Nur fürs Protokoll “ sagte Agent Taylor und schaute dabei in die Runde der Anwesenden. Im Panic Room hatten sich der
Chef der Flugsicherung John Berry sowie der Fluglotse Parker, ein Officer der Airport Police, Emily Harper von der
Presseabteilung und der Chef der Ground Control versammelt.
„ Bei ihnen ist vor ca. 1Stunde ein Flugzeug gelandet welches es nach ihren Worten gar nicht mehr geben dürfte.
Eine russische Concorde ?“
„ Genau genommen keine Concorde sondern eine Tu-144. Die Tupolev Tu-144 ist vom Aussehen fast identisch mit der
Concorde. Es handelt sich bei der Tupolev jedoch um eine sowjetische Bauart des Überschallflugzeugs aus den 70er
Jahren. Sie sahen aus wie zwei Zwillingsschwestern.“ sagte John Berry, wobei man eine kleine Bewunderung merken
konnte. „ Sie erschien urplötzlich auf dem Radar, als wär sie buchstäblich vom Himmel gefallen. Ohne eine Kennung oder
Funkkontakt, worauf wir ordnungsgemäss Abfangjäger entsendet haben. ein normales Prozedere.“ erklärte der Lotse.
„Aber sind solche Vorkommnisse wie Notlandungen nicht ganz normal auf einem Airport?“ fragte Tara Taylor in die Runde.
„Der Umstand, daß es sich bei den Piloten der Maschine wohl um Russen handeln könnte,
und wir auch nach der Landung keine Möglichkeit hatten sie zu befragen, da sie völlig erschöpft und nahe einer Ohnmacht
waren, hielten wir es für nötig den Heimatschutz sowie das FBI zu informieren. Immerhin handelt es sich um ein Eindringen
in den Luftraum der Vereinigten Staaten,“ gab ihr John Berry als Antwort. „ Verstehe. Wo befinden sich die Piloten jetzt ?“
fragte Tara in Richtung des Police Officers. „Sie sind ins O’Hare Medical Clinic gebracht worden,“ gab Officer Gonzalez
kurz als Antwort, „ und sind nicht vernehmungsfähig“gab er noch lapidar hinzu.
Man konnte den Eindruck gewinnen, dass es Officer Gonzalez gar nicht gefiel, dem FBI Fragen zu beantworten. Und schon
gar nicht von einem weiblichen Agent.
Tara war solches Verhalten gewohnt und sie konnte gut mit solchen Attitüden umgehen.
Sie ist in Chicago mit zwei Brüdern aufgewachsen und war mit allen Wassern gewaschen.
„Und wo befindet sich das Flugzeug jetzt ?“ fragte Tara und schaute auf den Chef der Ground Control. „ Nun sie ist vorerst
abseits der Runway abgestellt.“ gab er als Antwort.
„Die Maschine sollte umgehend in einen Hangar gebracht werden und niemand nähert
sich der Maschine bis zum Eintreffen unserer Spurensicherung.“ gab Tara bekannt.
„ Ich würde ihrer Bitte ja gerne nachkommen Agent Taylor, nur leider sind unsere Hangar alle belegt.“ gab der Chef der
Ground Control ihr als Antwort. „ Das war keine Bitte.“ sagte sie mit allem Nachdruck. John Berry gab dem Chef der
Ground Control ein kurzes Zeichen, was soviel heißen sollte, bitte kümmern sie sich umgehend darum.
„ Die Piloten werde ich dann morgen vernehmen, wenn ihr Zustand es zulässt.“ sagte Tara. „ Bitte sorgen sie dafür, dass
unsere Leute freien Zugang zur Maschine haben.“
„Selbstverständlich“ antwortete John Berry. „Sollten wir die Russische Botschaft benachrichtigen ?“ fragte Emily. „Auf
keinen Fall und auch nichts an die Presse, die Russen werden sich schon melden wenn ihnen ein Flugzeug fehlt.“
antwortete Tara. „Vielleicht handelt es sich ja um Überläufer, wie in dem Film Roter Oktober.“ gab Officer Gonzalez zum
Besten. „ Ich denke sie schauen zu viel Filme, ich glaube nicht, daß Amerika an einer alten Technik wie dieser Concorde,
sorry an einer Tu-144 interessiert wäre.“ gab Tara als Antwort. „ Können wir sonst noch etwas für sie tun, Agent Taylor ?“
fragte John Berry „Eine Sache wäre da noch und diesmal ist es eine Bitte,“ lächelte sie in die Runde, „wäre es möglich, mir
einen russisch sprechenden Mitarbeiter des Airports als Dolmetscher beim Verhör zur Verfügung zu stellen ?“ fragte sie in
Richtung der Frau von der Pressestelle. Nach einem kurzen Überlegen meinte sie „ Greg aus unserer Abteilung könnte das
machen, er kommt aus Kiew.“ „Vielen Dank, dann erwarte ich ihn morgen um 10 Uhr im Hospital.“ „ Lady, ihnen ist
sicherlich bekannt, dass Piloten der englischen Sprache mächtig sind, oder?“ gab Officer Gonzalez zum besten und
schaute dabei lachend in die Runde. „ Officer Gonzalez,“ Tara beugte sich etwas vor um sein Namensschild besser lesen
zu können. „Den Ausdruck Lady sparen sie sich besser für ihre Chicas auf. Für sie bin ich Agent Taylor. Mir ist wohl
bekannt, dass die Piloten englisch sprechen und verstehen, nur denken tun sie Russisch ! So viel dazu.“
„Alles weitere besprechen wir morgen nach meinem Besuch im Hospital. Dann hoffe ich auch mehr über die Maschine von
unserer Spurensicherung zu erfahren. Dies ist nun offiziell ein F.B.I Fall und die Maschine ein Tatort. Ich danke ihnen
vorerst.“ Und damit verabschiedete sie sich. Es war mittlerweile nach 10 Uhr abends.
4
Um 10 Uhr morgens betrat Tara Taylor die O’Hare Medical Clinic und steuerte auf den Empfang zu.
„ Guten Morgen“ sagte sie zu der Frau hinter dem Empfang und zeigte ihre Marke. „Mein Name ist Agent Taylor von F.B.I.
Es sind gestern zwei Piloten bei ihnen eingeliefert worden und ich würde gern mit dem zuständigen Arzt sprechen.“
„Selbstverständlich, ich werde Dr. Harris sofort verständigen, dass sie hier sind. Ach und es wartet ein Herr auf sie, dort
drüben.“ wobei sie auf eine Sitzecke gegenüber zeigte.
Das ist dann wohl der Ort an dem es die Guten und die schlechten Nachrichten gibt, dachte Tara und ging auf die Sitzecke
zu. Nun in ihrem Fall saß dort ein junger Mann welcher wohl Greg sein müsste. „ Agent Taylor, ich grüße sie. Ich bin Greg
von der Pressestelle“ stellte er sich vor und stand von seinem Sitz auf. „ Schön das sie da sind Greg“ gab sie zur Antwort
und reichte ihm die Hand.

„ Wie ist ihr vollständiger Name“ fragte sie ihn. „ Gregory Iwanow, aber bitte nennen sie mich Greg, ich dachte mir mit dem
Namen Greg komme ich in Amerika besser an.“ gab er lächelnd als Antwort. „ Wenn wir unter uns sind können sie mich
Tara nennen, nur wenn andere Personen anwesend sind sprechen sie mich bitte mit Agent Taylor an.“ Kaum hatten sich
beide gesetzt, kam schnellen Schrittes mit wehendem Kittel ein Arzt auf sie zu. „ Agent Taylor, mein name ist
Dr. Harris, ich bin der Chefarzt der Clinic.“ begrüßte er sie. „ Mit mir ist heute Mr. Iwanow, er wird als Dolmetscher
fungieren, sollte es nötig sein.“ stellte sie Greg dem Chefarzt vor.
Man nickte einander freundlich zu. „ Ich würde sie gern in mein Büro einladen, dort sind wir etwas ungestörter.“ sagte er
und zeigte in Richtung des Ganges aus dem er kam.
Greg hielt sich dezent hinter der Agentin.
„Nehmen sie bitte Platz,“ sagte Dr. Harris, wobei er auf eine Sitzgruppe zeigte welche einladender aussah als beim
Empfang. Er selbst nahm in der Sitzgruppe platz und nicht hinter seinem Schreibtisch. „ Dr. Harris, sind die Piloten
vernehmungsfähig ?“ eröffnete Tara das Gespräch. Der Arzt brauchte sichtlich einen Moment bevor er antwortete.
„Agent Taylor, normaler Weise gibt es immer eine gute und eine schlechte Nachricht, in diesem Fall habe ich leider zwei
schlechte.“ Man merkte ihm an das er nach der richtigen Antwort suchte. „ Leider muss ich ihnen Mitteilen das einer der
Piloten gestern Nacht verstorben ist. Die ungewöhnliche Schwächung seines Körpers führte zum Tod. Wir haben alles in
unserer Macht getan um ihn am Leben zu erhalten. Leider ohne Erfolg.“
Tara nahm sich ein wenig Zeit um diese Information zu verarbeiten.
„ Мои соболезнования“ sagte Greg. Tara und der Arzt schauten sich an. „es ist Russisch und heißt mein Beileid.“ erklärte
Greg. Tara nickte Greg zu und wand sich wieder dem Arzt zu. „ Und die zweite schlechte Nachricht ?“ fragte sie Dr. Harris.
„ Der andere Pilot ist aus der Clinic entflohen. Ich habe keine Ahnung wie es bei seinem Zustand möglich war. Er braucht
dringend ärztliche Hilfe. Er muss das Durcheinander für seine Flucht genutzt haben.
Es tut mir leid ihnen das mitteilen zu müssen.“
„ Es waren doch wohl Wachen vor dem Krankenzimmer, Police Officer zum Beispiel ?“
fragte Tara verwundert. „ Polizei war nicht anwesend soweit ich weiß. Es war niemand zur Bewachung abgestellt.“
gab Dr. Harris bekannt.
Officer Gonzalez ! ging es Tara durch den Kopf. Es wäre seine Aufgabe bei einer Einlieferung für eine Bewachung zu
sorgen. Das konnte man der Clinic nicht vorwerfen.
„ Geht von dem entlaufenden Piloten eine Gefahr aus ? Eine ansteckende Krankheit oder
ähnlichem ?“ fragte Tara. „ Ein Bluttest welcher als erstes bei Patienten erfolgt, hat keine Auffälligkeiten ergeben.
Bis auf den Schwächezustand arbeiteten alle Organe normal. „
„ Gibt es Aufnahmen von den Überwachungskameras aus der Clinic ?“ fragte Tara in der Hoffnung auf ein Bild von dem
Piloten. „ Leider nur von hinten, da alle unsere Kameras auf den Eingang gerichtet sind und uns mehr interessiert was
reinkommt, denn was rausgeht ist meist gesundet.“ „Muss ich davon ausgehen ein Bild von einem Mann im weißen Kittel
und einem ausgeschnittenen Hintern zu haben ?“ fragte Tara leicht genervt.
„ Nein ich kann sie daher beruhigen, er ist in seiner Garderobe geflohen. Ich werde eine Aufzeichnung für sie besorgen. Ich
hoffe es kann ihnen weiter helfen. Ich möchte noch einmal betonen wie Leid es mir und der Clinic tut. Sollten sie noch
Fragen haben, stehe ich ihnen jederzeit zur Verfügung.“
Nach einer kurzen Pause verabschiedeten sich Tara und Greg vom Chefarzt.
„ Darauf brauch ich erstmal einen Kaffee “ sagte Tara und steuerte direkt auf einen Diner zu. „ Das war es dann wohl,“
sagte Greg der etwas hinter ihr ging. Tara blieb stehen und drehte sich zu ihm um. „Nein, denn jetzt geht es erst richtig los.
Und ich wäre ihnen dankbar, wenn sie mir noch ein paar Tage zur Seite stehen könnten.“
„Gern,“ sagte Greg „ nur sollten wir den Airport unterrichten.“ „Darum kümmere ich mich.“ Greg spürte das Tara einen
Gang höher geschaltete hatte. Sie setzte ihre Tasse ab und schaute Greg an. „Es würde mir helfen, wenn sie eine
Recherche machen würden, wo würde ein Russe in Chicago untertauchen ? In Bars in denen überwiegend Russen
verkehren? Versuchen sie wie er zu denken. Orte von denen er Hilfe erwartet.“
„ Dann bin ich jetzt ein Hilfssheriff?“ strahlte Greg sie an. Tara setzte ein Lächeln auf und sagte, „ Nein.“
5
Greg war inzwischen auf Location Scouting in Chicago unterwegs, als Tara am Hangar ankam, und von Fred Shoemaker,
dem Chef der Spurensicherung begrüßt wurde.
Er stand oben am Eingang der Maschine und wollte sich grad auf dem Weg nach unten machen, als Tara sagte, „Warten
sie Fred, ich komme rauf.“ Da es sich um einen Tatort handelte zog sie sich die bereitstehenden Überschuhe an.
„ Und was haben wir ?“ fragte Tara und betrat die Maschine. „ Leider gar nichts.“ gab Fred Shoemaker sichtlich enttäuscht
zurück.“ Keinen Voice Recorder, keine Black Box, nichts woraus wir schliessen können, wo die Maschine herkommt.“
„ Die Maschine ist ja leer, keine Sitze für Passagiere. Eine Frachtmaschine ?“ fragte Tara.
„ Eine Frachtmaschine ja, so könnte man sagen. Nur für eine tödliche Fracht.
Sehen sie die beiden Vorrichtungen links und rechts.“ Er zeigte dabei in die Kabine.
„ Das sind Auslösevorrichtungen für Bomben. Für nukleare Bomben. Gott sei Dank, es sind keine an Bord,“ stellte er
erleichtert fest. „ Im Cockpit sind wir noch nicht fertig, aber der Bericht kommt noch heute zu ihnen. Nur auch dort ist
wenig zu entdecken, ausser jede menge Fingerabdrücke. Darf ich fragen wie die Vernehmung verlaufen ist ?“
„ Totalausfall ! Ein Pilot verstorben, der andere flüchtig.“
„ Das sieht verdammt nach einem Fall für sie aus, Agent Taylor,“ gab Fred ihr freundlich zu verstehen. „ Aber wo wir schon
bei Problemen sind, würde ich ihnen gerne etwas von aussen an der Maschine zeigen,“ wobei er ihr den Vortritt ließ.

Unten angekommen, ging er in eine Position, aus der man die gesamte Maschine sehen konnte. „ Als wir gestern ankamen
fiel uns von aussen an der Maschine nichts weiter auf, ausser das sie komplett grau lackiert ist. Sie war in einem
flugfähigen Zustand.
Und nun schauen sie sich die Maschine an. Es hat den Eindruck, als wäre die Maschine über Nacht um Jahre gealtert.“ Er
schüttelte den Kopf. „ Was geht hier vor, Agent Taylor ?“ Sie ging näher ans Flugzeug und schaute sich Details der
Maschine an. Der Zustand glich den Maschinen welche man auf Flugzeugfriedhöfen findet.
„ Um das rauszufinden bin ich hier,” gab sie mit einem Lächeln dem Chef der Spurensicherung zu verstehen.
Wenig später saß Agent Taylor beim Leiter der Flugsicherung im Büro.
„ Mr. Berry, auf Grund ihrer langen Berufserfahrung würde ich gern noch einmal auf die Tu…zurück kommen.“
„ Tu-144“ ergänzte John Berry „ Tupolev war der Konstrukteur, 144 die Baureihe. Im Netz findet man viele Informationen
über das Flugzeug, bei YouTube gibt es Dokumentationen und auch Videos vom tragischen Absturz während der Flugshow
in Le Bourget.“ „ Was geschah danach mit dem Flugzeug ?“
„ Es war der Anfang vom Ende für die Tu-144. Vergessen wir nicht, daß es um einen Wettlauf zwischen Ost und West ging,
wem als erster ein Überschallflug mit einer Passagiermaschine gelang. Bei der Air Show wurden beide Flugzeuge
vorgestellt um Internationale Fluggesellschaften zu gewinnen. Durch den Absturz der Tupolev wurde die Concorde zum
Gewinner. Die Tu-144 flog zwar noch einige Zeit von Moskau nach Alma Ata, jedoch nicht im Internationalen Flugverkehr.
Wenig später wurde das Projekt Tu-144 eingestellt. Soviel in Kürze zur Geschichte.“ gab John Berry mit etwas Wehmut als
Antwort. „ Die Tupolev flog nicht nur als erste mit Überschall, sondern war meiner Meinung auch das bessere Flugzeug.
Heute ist diese Meisterleistung Sowjetischer Konstrukteure bei den jüngeren Menschen in Russland nicht mehr präsent. So
ist das mit der Geschichte, sie wird immer vom Gewinner geschrieben.“
„ Wie erklären sie sich, daß es sich bei unserer Maschine nicht um eine Passagiermaschine handelt, sondern um einen
Umbau zum Abwurf von Sprengköpfen ?“
„ Hierbei kann es sich meiner Meinung nur um ein Relikt aus dem kalten Krieg handeln.
Also aus der Zeit der damaligen Sowjetunion. Heute gibt es bessere Möglichkeiten zur Abschreckung für Moskau,“ gab
John Berry zu bedenken.
„ Finden sie den Piloten und wir haben die Antwort auf ihre Fragen.“
„ Ich werde heute mit der Russischen Botschaft Kontakt aufnehmen und sehen ob man uns eine Erklärung geben kann.
Haben sie vielen Dank für ihre Einschätzung, ich werde sie auf dem Laufenden halten.“ Damit verabschiedete sie sich, blieb
jedoch an der Tür stehen und drehte sich noch einmal um. „ Ich werde einen Spezialisten beauftragen, den Computer im
Cockpit zu inspizieren, gibt es damit ein Problem ?“
„ Von mir aus können sie die Maschine in alle Einzelteile zerlegen,“ gab John Berry lächelnd als Antwort „ Diese Maschine
wird sich nie wieder in die Lüfte begeben, bei dem Zustand.“
6
Er erwachte, da die schon recht hoch stehende Sonne ihm direkt ins Gesicht schien.
Wo war er ? Es dauerte ein paar Sekunden bis seine Denkfähigkeit einsetzte und er sich etwas vom Boden erhob.
Er hatte hinter einem Busch, welcher sich augenscheinlich in einem Park befand, geschlafen.
Ihm taten etwas die Knochen weh, doch das war normal wenn man wie er, in seiner Ausbildung auf einem harten Boden
schlafen musste.
Es war Juli und somit warm genug um nicht zu frieren. Trocken war es auch.
Er verharrte noch etwas hinter dem Busch, aber wollte auch nicht von anderen Parkbesuchern dort gesehen werden. In der
Nähe befand sich eine Parkbank auf der Niemand saß. Er sammelte sich, klopfte seine Kleidung und ging zügig auf die
Bank zu.
Kaum hatte er sich hingesetzt , begann in seinem Kopf eine Anzahl von Bildern und Eindrücken verrückt zu spielen. Blaue
und rote Lichter drehten sich, vermischten sich mit weißen Lichtern, aus welchen Gesichter wurden.
Die vielen Stimmen, die alle durch einander sprachen. Die Flucht aus dem Hospital, nachdem sie seinen Freund,
den Copiloten und ihn getrennt hatten. Ein Fluchtreflex. Da es Nacht war und die Strassen leer, lief er völlig geschwächt auf
einen Park zu. Hier war es dunkel und bot ein Versteck an. Dann wurde er sich seiner Umgebung bewusst und begann an
seinen Verstand zu zweifeln. Ist er in einer anderen Matrix gelandet oder war er vielleicht verrückt geworden.
Nein, verrückt war er nicht. Sein Name ist Michail Antonow, Major der Sowjetischen Luftstreitkräfte und Pilot einer Tu-144.
Stationiert im äussersten Norden der UDSSR, nahe der Beringsee.
Er konnte sich erinnern, daß sie zu einem Routineflug aufgebrochen waren, nichts ungewöhnliches, das waren Testflüge für
einen atomaren Angriffzur Verteidigung der UDSSR. Ziel dieser Übungsflüge war es, in extreme Höhe aufzusteigen und
dann mit doppelter Schallgeschwindigkeit im Sturzflug auf das Ziel zuzusteuern. Aber diese Flüge fanden nie über
amerikanischem Boden statt. War es möglich, daß sie zu hoch gestiegen waren und dadurch das Bewusstsein verloren
hatten ?
Aber er saß hier, auf einer Parkbank inmitten der Stadt Chicago, soviel hatte er bei der Notlandung mitbekommen. Nein
verrückt war er nicht.
Seinen Freund und Copiloten hatten sie gefangen genommen. Wie es ihm wohl ging, fragte er sich. Verhöre oder sogar
Folter ? Sie befanden sich immerhin in Feindesland.
Da er sich nahe dem Eingang des Parks befand, konnte er in der Nähe eine stark befahrende Strasse ausmachen. Er
konnte hier nicht ewig sitzen, sondern musste sich aufmachen nach Hilfe zu suchen. Die Botschaft. Ja das war die Lösung,
er musste den Weg zur Botschaft finden. Dort war er in Sicherheit.

Noch etwas geschwächt stand er auf und ging in Richtung Strasse, als er direkt neben der Bank einen Wasserspender sah.
Plötzlich bekam er einen riesigen Durst.
Er dankte Gott, bekreuzte sich kurz und ging auf den Wasserspender zu. Bitte lass Wasser herauskommen, sagte er sich.
Bei einer Hydrierung sollte man Wasser in kleinen Mengen zu sich nehmen, das hatte er gelernt. Nur war es ihm im
Augenblick egal, er wollte nur trinken, viel trinken. Sofort spürte er seine Lebensgeister.
Gestärkt ging er auf die Strasse zu. Am Ausgang des Parks befand sich ein Zeitungsstand, Zeitungsverkäufer kannten sich
aus in ihrer Umgebung, das war bei ihm zu hause nicht anders. Nur nicht auffallen, sagte er sich, ganz normal verhalten.
Wie jemand der nach einem Weg fragt.
„ Verzeihen sie,“ fragte er in gutem Englisch den Verkäufer „ Können sie mir sagen wo ich die Sowjetische Botschaft
finde ?“ „ Botschaften finden sie in Washington,“ gab der Verkäufer kurz und bündig zurück und bediente schon wieder
einen anderen Kunden.
„Gäbe es für jede Auskunft einen Dollar, müsste ich nicht hier stehen und Zeitungen verkaufen,“ gab er noch zum Besten
ohne Michail anzuschauen.
„ Er hat Recht,“ sagte ein Mann neben ihm, der gerade in einem Magazin blätterte,
„ alle Botschaften anderer Länder haben ihre Vertretung in der Hauptstadt. Aber es gibt nicht weit von hier ein Russisches
Konsulat, wenn sie möchten zeige ich ihnen gern den Weg. Ich muss sowieso in die Richtung. Kommen sie, es sind nur
drei Blocks.“
Der Mann war gut gekleidet und machte einen freundlichen Eindruck. Also folgte er ihm.
Sollte er wirklich schon in Kürze in Sicherheit sein? „ Neues Visa ?“ fragte der Mann und drehte sich zu Michail um, der
etwas hinter dem Mann ging, da er nicht so schnell mithalten konnte. Der Mann hatte einen zügigen Gang. „ Da.“
antwortete Michail auf Russisch und war sich sofort bewusst ,daß er in Zukunft englisch sprechen sollte.
„Ist ihnen nicht gut ?“ fragte der Mann besorgt, denn er erkannte, daß sein Begleiter nicht mithalten konnte
und offensichtlich nicht gut bei Kräften war.
„ Machen sie eine Pause und setzen sie sich etwas hin,“ sagte er, wobei er auf eine kleine Mauer zeigte. „ Sie brauchen nur
zwei Blocks weiter rechts abzubiegen und schon sind sie beim Konsulat. Leicht zu finden.“ Damit verabschiedete sich der
Mann und ging seiner Wege. Er drehte sich noch einmal um und schenkte Michail ein freundliches Lächeln.
7
Als Tara das F.B.I Gebäude betrat, saß Greg einsam und verlassen in der großen Empfangshalle. „ Sorry, Greg. Ich wurde
am Airport aufgehalten,“ entschuldigte sie sich und machte eine Handbewegung ihr zu folgen. Sie gingen durch die
Absperrung und fuhren mit dem Aufzug in den zweiten Stock. In ihrem Büro angekommen sagte Tara,
„ Wir haben morgen einen Termin beim Russischen Konsulat. Da sich die Situation geändert hat, denke ich, man sollte die
Russen informieren, wenn sie es nicht ohnehin schon wissen.“ „ Es war auch mein erster Gedanke, daß unser Mann zu
seinen Landsleuten in die Botschaft oder in ein Konsulat gehen würde. Also ich würde es tun,“ gab er ihr als Antwort.
Tara bot ihm einen Platz an einem zweiten Schreibtisch an, welcher sich im Büro befand. „ Morgen werde ich ihnen einen
Besucherausweis ausstellen lassen, dann können sie mein Büro benutzen und müssen nicht auf mich warten.“ gab sie
Greg zu verstehen. „ Wie ist ihr Tag verlaufen, nicht das ich viel erwarte für den ersten Tag,“
sagte sie und ging dabei verschiedene Memos auf ihrem Schreibtisch durch.
Dann lehnte sie sich zurück und sah Greg in die Augen. Er könnte auch als Model durchgehen, ging es ihr durch den Kopf.
Zumindest war er ihr angenehm mit seinem gepflegten Äusseren und seiner ganzen Erscheinung.
Er hatte etwas positives in seiner Ausstrahlung.
„ Es gibt verschiedene Einrichtungen für Russische Staatsbürger, die meisten findet man im Netz. In Bars, in denen
überwiegend Wodka ausgeschenkt wird, sehe ich ihn eher nicht. Und ob es gut ist sich in so einem Umfeld zu offenbaren,
halte ich für sehr fraglich. Nein, ich denke er wird sich an das Konsulat wenden.
Ausserdem gibt es noch die kirchlichen Einrichtungen. Die Orthodoxe Kirche zum Beispiel. Die werde ich mir morgen
vornehmen. Das sind nicht gerade wenige,“ gab er ihr als Antwort. „ Leider haben wir kein Bild von ihm, es könnte uns
helfen beim Suchen der Stecknadel im Heuhaufen. Das Bild von hinten aus der Clinic, ist nicht wirklich geeignet
es Leuten zu zeigen, denke ich.“
„ Konzentrieren sie sich auf die möglichen Orte, die Befragung von Personen werden wir gemeinsam durchführen.
Bitte keine Alleingänge.“ gab sie ihm klar zu verstehen.
Dann bekam sie eine Nachricht aufs Handy. „ Es ist von Emily Harper aus ihrer Presseabteilung, ich hoffe nur man will sie
nicht wieder zurück holen.“ meinte sie lächelnd und drückte auf den Anrufbutton.
„ Agent Taylor hier, Emily was kann ich für sie tun ?“ meldete sie sich freundlich.
Dann hörte sie zu, ohne einmal zu unterbrechen. „ Was haben sie dem Redakteur gesagt ?“
fragte Tara. „ Daß wir uns melden werden,“ gab Emily zurück. „ Das ist gut. Wir kümmern uns darum. Ich denke ich habe
auch schon den Richtigen für diese Aufgabe. Vielen Dank nochmal Emily und bis bald.“ Damit beendete sie das Gespräch
und man sah ihr an, daß es ein neues Problem gab.
„ In der Pressestelle hat sich ein Mensch von der Zeitung gemeldet und wollte Auskunft über die Tupolev, welche er wohl
im Anflug zufällig gesehen hatte.“ „Von welcher Zeitung war er, hat er das gesagt ?“ fragte Greg. Man merkte sofort das er
in seinem Element war.
„ Emily sagte, er sei vom Chicago Star.“ „ Das ist eine kleine Zeitung,“ gab er ihr zu verstehen. „Ob klein oder groß, wenn
wir etwas nicht gebrauchen können ist es Presserummel. Was wir brauchen ist Zeit.“
„ Ich würde ihnen gerne einen Vorschlag machen, bei dem wir Zeit gewinnen können in dieser Misere.“ bot Greg an.

„ Erzählen sie“ bat sie ihn. Auch Gregs Ausführungen unterbrach sie nicht, während er ihr seinen Vorschlag unterbreitete.
„ Das hört sich nach einem guten Zeitgewinn an, sie würden einen guten Agenten abgeben. Sprechen sie mit den Leuten
von der Zeitung bitte im Namen der Presseabteilung des Airports und vermeiden sie das F.B.I zu erwähnen. Wenn das
klappt lade ich sie zu einem Drink ein.“
Hatte sich das gerade angehört als lade sie ihn zu einem Date ein ? fragte sie sich.
Aber zu einem Date gehört auch ein Dinner und das hatte sie ihm nicht angeboten.
Also nur ein Drink wie es üblich war unter den Agents. Also keine Panic Agent Taylor.
Sie wollte sich gerade wieder ihrer Arbeit zu wenden, war dann aber doch interessiert an dem Gespräch, welches
Greg mit der Zeitung führte.
Er hatte sich gleich mit dem Chefredakteur verbinden lassen, also gleich in die obere Etage. Sich mit Redakteuren bei
kleineren Zeitungen herum zuschlagen bringt nichts, da sie keine Entscheidungsgewalt haben.
„ Mr. Coleman, ich grüße sie, Greg hier von der Pressestelle des O’Hare International Airport. Schön das ich sie erreiche,
bei uns hat sich ein Redakteur ihrer Zeitung gemeldet und bat um Informationen bezüglich eines Flugzeugs welches er
beim Landeanflug gesehen hatte.“
„ Darüber bin ich unterrichtet worden, es scheint sich laut Aussage unseres Redakteurs wohl um eine Concorde zu
handeln. Äusserst ungewöhnlich und daher sicher interessant für einen Redakteur. Können sie uns etwas darüber sagen?“
Greg tat etwas geheimnisvoll und nahm sich etwas Zeit mit der Antwort.
„ Ich werde ihnen jetzt einen Vorschlag machen von dem ich glaube, das wir beide etwas davon haben. Was ihr Redakteur
gesehen hat entspricht der Wahrheit, nur handelt es sich nicht um eine Concorde, sondern vielmehr um eine Tupolev
Tu-144, der sowjetischen Version des Überschallflugzeugs. Es handelt sich hierbei um ein Geschenk der Russen als
Museumsstück für einen Airport innerhalb der USA. Da zur Zeit noch nicht feststeht welcher Airport dieses Geschenk
erhalten soll und bis dahin auch noch diverse Umbauten nötig sind, komme ich nun zu meinem Angebot.
Sie halten die Geschichte noch etwas zurück und bekommen von uns die Exklusivrechte. Die ganze Geschichte über den
Transport und die feierliche Übergabe.
Bitte verstehen sie, dass eine frühzeitige Bekanntmachung die Überraschung verderben würde. Sind sie nicht auch dieser
Meinung Mr. Coleman ?“
„ Ich hoffe mal, daß es sich nicht um ein trojanisches Pferd handelt,“ gab Coleman lachend zurück „ Wie lange brauchen
sie bis zur offiziellen Bekanntmachung ?“
„ Ich gehe davon aus,“ und dabei schaute zu Tara „ daß es mehrere Wochen dauern wird. Die Ausschreibung, der Umbau,
sowas dauert. Ich hoffe sie unterstützen uns dabei und nicht zu vergessen, das Amerikanische Volk. Es geht immerhin um
ein Geschenk und soll eine Überraschung werden, sagte Greg in einem Ton, dem man nur schwer widersprechen konnte.
„ Wenn sie mir versprechen, daß sie sich melden und niemand anderes im Spiel ist, haben sie mein Wort.“
„ Mr.Coleman, sie sind mein Held,“ und damit beendete Greg das Gespräch.
Später und ein paar Blocks weiter stand er mit Tara in einer Bar, welche gut gefüllt war.
„ Sie werden mir verzeihen Tara , aber ich trinke nur Mineralwasser, Alkohol bekommt mir nicht.“ Hätte sie ihn doch lieber
zu einem Essen einladen sollen ? Nein sagte sie sich, es ist seine Sache was er in seiner Freizeit trinkt. Sehr im Gegensatz
zu ihren Kollegen, welche sich Abend für Abend die Schelle gaben.
Greg fühlte sich wohl in ihrer Begleitung, Agent Taylor strahlte eine Dominanz aus, der man sich nicht entziehen konnte.
Jegliche Anmache oder dumme Sprüche verkniffen sich ihre Kollegen, und sollte es doch mal dazu kommen,
so konnte sie damit umgehen. Wie gesagt, sie ist mit zwei Brüdern aufgewachsen.
„ Und wie entspannen sie sich nach einem Arbeitstag ?“ fragte sie Greg und nahm einen Schluck aus ihrem Gin Tonic.
„ Bei einem Essen mit meinem Freund, zum Beispiel“ gab er wie selbstverständlich zur Antwort.
„ Haben sie einen Freund, Tara ?“ Für einen Augenblick war sie etwas unsicher. Das war ziemlich direkt.
„ Ich führe eine lose Beziehung, mehr ist bei meinem Job nicht drin.“ Es klang etwas wie eine Entschuldigung.
Zum Glück wurde sie gerade von einem Kollegen angesprochen, und dadurch aus der für sie etwas peinlichen Lage befreit.
Greg stellte sie ihren Kollegen als einen Freund vor. Ihr Tonfall machte klar, das sie nicht ein Paar waren.
Wurde Greg in einem Small Talk von jemanden gefragt, was er beruflich mache, sagte er stets, „ Wenn ich ihnen das sagen
würde, müsste ich sie töten.“
Das endete immer in einem Lachen bei den Anwesenden. Tara gefiel seine Antwort, es passte zu diesem Publikum.
Wenig später verabschiedete sich Greg von Tara, „ Also dann bis morgen, Agent Taylor.
Um 10 Uhr vor den Konsulat ?“ „ Genau,“ sagte Tara und gab ihm die Hand zum Abschied. Sie schaute ihm nach und
dachte für sich, Ok, Greg ist schwul. Das erklärt seine Zurückhaltung mir gegenüber. Wenig später verließ auch sie die Bar
und begab sich nach Hause. Allein.
8
„Darf ich ihnen einen Tee anbieten?“ fragte der Konsul Agent Taylor und Greg, nachdem er ihnen einen Platz angeboten
hatte. „ Für mich nicht, danke.“ sagte Tara und schaute Greg an. Er verneinte ebenfalls.
„Dann lassen sie uns direkt zu ihrem Anliegen kommen,“ wobei Konsul Stepanow sich etwas in seinem Sessel aufrichtete.
„Wie kann ich ihnen behilflich sein, Agent Taylor ?“ „ Uns würde interessieren ob Russland ein Flugzeug vermisst, oder ob
es nur noch nicht bekannt gemacht wurde.“ „Ob man in Moskau ein Flugzeug vermisst ?“ Der Konsul fragte noch einmal
nach, obwohl die Frage klar und unmissverständlich war. „ Sprechen sie von einer Militärmaschine oder einer
Passagiermaschine ? Und wie kommen sie auf diese Vermutung, Agent Taylor.“ „ Es handelt sich nicht um eine Vermutung,
sondern um die Tatsache, dass am Chicago Airport eine Tupolev 144 gelandet ist, Herr Konsul.“
„ Eine Tupolev was bitte ?“ fragte er unsicher. Das ihm der Name Tupolev etwas sagte, war klar, immerhin waren die
meisten Russischen Maschinen nach ihrem Konstrukteur Tupolev benannt, bis auch in der Neuzeit mehr und mehr
Maschinen von Boeing eingesetzt wurden. „ Eine Tupolev Tu-144. Das erste Passagierüberschallflugzeug aus Zeiten der
Sowjetunion. Baugleich mit der Concorde.“ gab Tara als Information.
„ Und so eine Maschine ist hier in Chicago gelandet ?“ Seine Verwunderung war ehrlich, dass merkte man ihm an.
„ Ich kann mich vage an dieses Flugzeug erinnern als ich noch ein Kind war, aber das ist so lange her und wenn ich mich
recht entsinne wurde das Projekt schon zu Zeiten der Sowjetunion eingestellt. Und sie sind sich sicher, dass es sich um so
eine Maschine handelt ?“ Tara gab ihm darauf keine Antwort und wartete auf eine weitere Reaktion vom Konsul.
„ Waren Passagiere an Bord ?“
„ Nein. Die Maschine war nur mit zwei Piloten besetzt.“ Von den Vorrichtungen zum Bombenabwurf erwähnte sie nichts.
„ Und was haben die Piloten ihnen erzählt, waren es Russen ?“ „Wir gehen davon aus, daß es sich um Russische
Staatsbürger handelt, eine Vernehmung ist bis heute leider nicht möglich gewesen, da ein Pilot in der Clinic, verstarb, in die
sie aufgrund ihres Gesundheitszustandes eingeliefert worden waren. Der zweite Pilot befindet sich auf der Flucht, nachdem
er aus der Clinic entflohen war. Es ist eine Fahndung nach ihm eingeleitet.“ „ Mein Gott,“ der Konsul war sichtlich verwirrt.
„ Selbstverständlich werde ich umgehend die Botschaft in Washington informieren und man wird sich dann mit Moskau
in Verbindung setzen. Sobald wir eine Nachricht von dort erhalten, werde ich mich umgehend bei ihnen melden. Mehr kann
ich in diesem Augenblick leider nicht für sie tun.“
„ Eine Frage hätte ich noch Herr Konsul, hat hier bei ihnen am Konsulat, jemand um Asyl gebeten ?“ „ Nicht das ich wüsste,
in der Regel kommen die Leute um ein Visa zu beantragen. Aber da ich für zwei Tage in Washington war, will ich gern
nochmal im Sekretariat nachfragen.“ Er ließ sich entschuldigen und verließ kurz das Büro.
„ Er ist recht jung für einen Konsul,“ sagte Greg und sah sich etwas im Büro um.Tara nutzte die Gelegenheit um ihre
Nachrichten zu lesen.
Nach kurzer Zeit kam der Konsul zurück und blieb vor den beiden stehen.
„ Ein Asylantrag ist nicht gestellt worden, tut mir leid. Unser Sicherheitspersonal hat gestern lediglich einen wohl
alkoholisierten Russen abgewiesen, der laut Aussage unserer Leute behauptete ein Pilot des Sowjetischen Militärs zu sein.
Er wirkte etwas runtergekommen und die Security forderte ihn auf das Gelände des Konsulats zu verlassen.“ Als Tara das
hörte, schloß sie für einen Moment die Augen. „ Meinen sie es handelt sich um den von ihnen gesuchten Piloten ?“ fragte
Konsul Stepanow unsicher. „Gibt es Überwachungskameras bei ihnen ?“ fragte Tara ohne auf seine Frage einzugehen.
„ Sicher, am Eingang haben wir zwei. Weitere im Gebäude.“ „ Wäre es möglich uns die Videobänder oder eine Kopie zur
Ansicht zu überlassen ? “ fragte Tara.
„ Das ist leider nicht möglich, ohne das wir die Bänder vorher genau prüfen. Dokumente dürfen nicht ohne Genehmigung
aus Moskau das Konsulat verlassen. Geheimhaltung, das werden sie doch verstehen. Aber sobald wir die Freigabe haben,
werden wir ihnen selbstverständlich die Bänder überlassen. Auch wir sind sehr daran interessiert den Fall zu lösen.“ Für
Tara war hier nichts mehr zu holen und so verabschiedeten sie sich vom Konsul. Am Eingang zum Konsulat suchte Tara
nach den beiden Kameras und entdeckte sie jeweils auf der sich gegenüberlegenden Seite des Eingangs. Grau, mit Staub
bedeckt und Objektiven, welche dringend eine Reinigung benötigten. „ Nach 4K sehen mir die Dinger nicht gerade aus,“
meinte Greg resigniert. „Mir würde reichen, wenn man den Mann erkennen würde, egal wir brauchen die Bänder.“ „ Ich habe
einen Termin am Flughafen und sie nehmen sich bitte die Kirchen vor, erstmal die in der Nähe des Airports. Wir sehen uns
dann später im Büro. Ihr Besucher Ausweis sollte beim Empfang liegen. Okay Greg, dann bis später. Und damit steuerte sie
auf die Subway zu.
9
„ Schön das du da bist Bob.“ Sie umarmten sich freundschaftlich und Bob sagte mit einem Lächeln, „ Wenn Agent Taylor
ruft, bin ich zur Stelle.“
Tara und Bob waren nicht nur alte Freunde, wann immer es um Computer im weitesten Sinne gab, war er ihr Mann.
Zusammen hatten sie im letzten Jahr an einem Fall gearbeitet, bei dem es ohne Bob nicht gegangen wäre.
Bob ist freier Administrator und hat für die unterschiedlichsten Kunden gearbeitet.
Mal waren es große Konzerne, ein anderes mal an Projekten über die man besser nicht spricht, von dem Aufbau einer
Bitcoin Farm bis hin zu verschiedenen Hacker Communities über den gesamten Globus verteilt.
Auch in Russland hatte Hacker Freunde.
Einen Augenblick später kam ein Mitarbeiter des Airports zu ihnen. Man begrüßte sich und der Mann führte sie zum Hangar.
Als Bob die Maschine sah, glaubte er seinen Augen nicht zu trauen. „ Wo habt ihr die aufgegabelt ?“
„ Sie ist buchstäblich vom Himmel gefallen.“ gab Tara ihm zu verstehen. „ Nein wirklich, sie ist hier notgelandet und wir
haben keinen Schimmer woher sie gekommen ist.“ Während sie zum Cockpit aufstiegen, erzählte sie ihm den Rest der
Geschichte. „ Wahnsinn, weißt du wie alt diese Maschine ist ?“ fragte er Tara und sah sich dabei das Innere der Maschine
an. „ Wie kann ich dir helfen ?“ „ Ich dachte mir dass du dir den Computer im Cockpit einmal anschauen könntest, und wer
weiß vielleicht finden wir dort eine Antwort.“
„ Das sollte nicht das Problem sein, nur kann ich nicht versprechen, dass er hinterher wieder einwandfrei funktioniert.
Ich muss dafür den Rechner ausbauen um an seine Festplatte zu kommen.“ „ Mach dir darüber keinen Kopf, laut Aussage
der Leute hier vom Airport wird diese Maschine sowieso nie wieder fliegen. Sie ist nun ein Tatort und wird auch
dementsprechend behandelt.“ Bob nickte mit dem Kopf und gab damit zu verstehen, dass er von ihrer Seite freie Hand hat.
„ Ich brauch dafür verschiedenes Werkzeug und nebenbei, was ist mit Rauchen? Ich erinnere mich das man zu der Zeit
noch an Bord rauchen durfte.“ „ Dir wird ein Bordmechaniker zur Verfügung gestellt und was das rauchen an Bord angeht,
Bob, wir sind auf einem Flughafen.“
„ Kein Problem, für solche Fälle hab ich meine e-Zigarette,“ gab er lächelnd als Antwort.
„ Kyrillische Schriftzeichen beherrsche ich nicht, von daher wäre es schön, mir einen russisch sprechenden Monteur zur
Seite zu stellen.“ „ Das sollte sich machen lassen.“ gab der Mitarbeiter des Airports ihm als Antwort.
„ Es versteht sich von selbst, das dieser Monteur eine Verschwiegenheitsklausel unterschreiben muss.“ gab Tara zu
bedenken. „ Das ist bei unseren Leute normal.“ beruhigte er Tara.
„ Du kannst mich zu jeder Zeit erreichen, solltest du etwas herausfinden Bob. Du hast meine Nummer.“
„ Als erstes brauchen wir Strom in der Maschine.“ sagte Bob in Richtung des Mannes vom Airport.
Er war bereit und nahm schon auf dem Piloten Sitz Platz.
Das F.B.I hatte kein Problem damit, daß Agent Taylor einen freien Mitarbeiter bei ihren Fällen einsetzte, die Verantwortung
lag ganz bei ihr, auch für den Fall eines Missgeschicks.
10
Warum hatte man ihn abgewiesen, er ist doch ein Major der Sowjet Union. Warum hatte man ihn behandelt als wäre er
betrunken. Die beiden Wachmänner wurden sogar handgreiflich und drängten ihn brutal auf die Strasse zurück. Er konnte
es sich nicht erklären.
Mittlerweile war er zum Park zurück gekehrt, da er sich hier sicherer fühlte als planlos durch die Strassen zu laufen. Hunger
stellte sich ein, aber zum Glück gab es Wasser.
Als er sich seiner Bank näherte sah er eine Zeitung darauf liegen. Vielleicht kein schlechter Gedanke, sollte jemand vorbei
kommen, seinen Kopf hinter der Zeitung zu verbergen. Nicht das ihn die Zeitung interessierte, er musste nachdenken über
seinen nächsten Schritt. Doch der Hunger machte ihm das Denken nicht leichter.
Michail saß gedankenverloren auf seiner Bank, als eine mit zwei Einkaufstüten schwer bepackte ältere Frau auf die Bank zu
kam. Sich jetzt hinter der Zeitung zu verstecken, kam ihm albern vor. Es war ja nur eine ältere Dame, welche sich
offensichtlich etwas ausruhen wollte. Man grüßte sich mit einem kurzen Kopfnicken.
Kaum hatte sie sich gesetzt, griffsie in eine der Tüten und holte einen Apfel hervor.
Als sie den Apfel an ihrem Kleid abrieb, schaute sie zu Michail . „ Möchten sie auch einen ?“ fragte sie und biss herzhaft in
den Apfel. Ein Apfel ! Was sollte er sagen, nein danke ? Nur um kein Gespräch aufkommen zu lassen ? „Spasiba.“ sagte er.
Nahm den Apfel entgegen und biss ohne ihn abzuwischen hinein. „ Oh,“ sagte sie,“ sie sind Russe, woher kommen sie ?“
Warum nur konnte er es sich nicht verkneifen, immer wieder in Russisch zu antworten. „ Aus der Ukraine“ gab er ihr als
Antwort, nachdem er ein Stück vom Apfel runter geschluckt hatte. Eine Lüge, aber was sollte er machen, vertrauen wollte
er im Augenblick niemandem. Er hoffte inständig, daß die Frau weitergehen würde. Nur bitte keine weiteren Fragen. „ Ich
heiße Isabella und wie ist ihr Name ?“ Er biss schnell in den Apfel, um etwas Zeit zu gewinnen für seine Antwort.
„ Oleg, mein Name ist Oleg,“ das ist zwar der Name seines Freundes, dem Copiloten, aber ihm fiel so schnell kein anderer
ein. „ Wann haben sie zuletzt etwas gegessen, Oleg ? Sie machen den Eindruck, als wären sie kurz vorm Verhungern,“
sagte sie lächelnd. „ Verzeihen sie mir, es ist unhöflich sie so mit Fragen zu bombardieren, eine alte Angewohnheit von mir,“
entschuldigte sie sich. „ Nein, schon gut, ich habe wirklich seit einiger Zeit nichts zu mir genommen. Vielen Dank für den
Apfel,“ bedankte er sich.
„ Was halten sie davon mich zu begleiten, gleich am Ende des Parks befindet sich eine Orthodoxe Kirche, bei der meine
Freundin, übrigens ebenfalls aus der Ukraine, Essen für Bedürftige austeilt. Ich bringe ihr Äpfel zum Nachtisch, denn was
ist ein Essen ohne Nachtisch.“ Wobei sie aufstand und auf seine Antwort wartete. Er wog rasch die Situation ab, und
entschied sich mitzugehen. Die Aussicht auf ein warmes Essen und das noch in einer bekannten Umgebung wie einer
Orthodoxe Kirche. „ Geben sie mir die Taschen, ich trage sie.“ bot Michail, der ja nun Oleg hieß, der Frau an.“ Kommt nicht
in Frage, jeder eine, das ist ok.“ Und so gingen eine ältere Dame, ein jüngerer Herr und zwei Tüten mit Äpfeln durch den
Park. Wer wollte dahinter Schlimmes vermuten.
Als Michail am Ende des Parks auf der rechten Seite die Kirche sah, blieb er stehen.
Er war überwältigt von der Schönheit und der Größe des Gotteshauses.
„ Heimweh ?“ fragte Isabella lächelnd. Er hatte schon lange keine Orthodoxe Kirche mehr zu Gesicht bekommen.
Gut, sie hatten eine kleine Kapelle an ihrem Stützpunkt, aber das hier war etwas anderes.
Auf der rechten Seite der Kirche hatte man ein paar Bänke und Tische aufgestellt, auf denen Töpfe und Teller standen.
Ein paar Menschen standen und warteten auf die Essenausgabe. „ Schau wen ich mitgebracht habe,“ sagte Isabella zu
ihrer Freundin. „Jemanden aus deiner Heimat. Das ist Oleg.“
„ Hallo Oleg,“ sagte Isabellas Freundin. „ Ich bin Vera, aber ihr müsst euch noch etwas gedulden, ich bin gleich soweit,
nehmt noch etwas Platz.“ Dann konzentrierte sie sich wieder auf die Töpfe, welche vor ihr standen.
Michail hatte während der Begrüßung unsicher zum Boden geschaut, doch nun als sie sich auf einer Bank niedergelassen
hatten, blickte er zu der Frau hinter der Essenausgabe. Sie war wunderschön. So schön konnten nur ukrainische Frauen
aussehen. Sie war blond und ihre Haltung glich der einer Göttin. Dumm nur, daß er ihr als jemand aus der Ukraine
vorgestellt wurde. Er konnte nur hoffen, daß sie nicht Ukrainisch mit ihm sprechen wollte, denn das sprach er nicht. Alle
Ukrainer sprechen Russisch, aber nicht alle Russen Ukrainisch. „ Wenn es nicht unhöflich ist, würde ich gern

die Kirche besuchen,“ sagte er zu Isabella. „ Nur zu, ich wollte mich sowieso wieder auf den Heimweg machen.“ gab sie
ihm als Antwort, stellte ihre Apfeltüten auf den Tisch und winkte Michail zum Abschied zu.
Leise betrat er die Kirche. Er küsste ein Heiligenbild und verharrte dann in völliger Andacht.
Ausser ihm war niemand in der Kirche. Ein Gefühl völliger Sicherheit überkam ihn und er suchte sich einen Platz zum
sitzen. Beim Anschauen der vielen heiligen Bilder und Ikonen sah er jedoch nur ihr Gesicht. Sie hatte sich als Vera
vorgestellt. Er versuchte sie aus seinen Gedanken zu verbannen, aber es blieb bei den Versuchen. Wie konnte man so eine
Frau vergessen. Was war nur mit ihm los, hatte er nicht genug Probleme in seinem Kopf um die er sich kümmern müsste.
Oder war es gar ein Zeichen ? Sowjetunion hin oder her, den Orthodoxen Glauben konnte man den Menschen nicht
ausreden. Er schloß seine Augen und begann zu beten. Nur in seinem Kopf, und schon war Frieden.
Er muss schon einige Zeit so gedankenversunken dort gesessen haben, als ihn jemand leise ansprach. „Sie können jetzt
zum Essen kommen, wenn sie möchten.“ Sie sprach ihn auf Ukrainisch an, und er verstand, dass sie ihn zum Essen einlud.
Alle anderen waren scheinbar schon fertig mit dem Essen, denn er war der Letzte bei der Essenausgabe. Als Vera ihm den
Teller reichte und ihre Blicke sich trafen, verharrten beide den Bruchteil einer Sekunde zu lange. Er saß etwas verschämt
allein an einem der jetzt bereits verlassenen Tische und aß mit gesenkten Kopf die Suppe. Eine Borschtsch. Eine seltsame
Traurigkeit überkam ihn. Doch diese hielt nicht lange an, da Vera sich zu ihm setzte. Gegenüber.
„ Aus welcher Gegend in der Ukraine kommen sie, Oleg ?“ fragte sie ihn auf Ukrainisch. Michail verharrte mit gesenktem
Kopf für einen Augenblick, bevor er sie anschaute und sagte,„ Ich muss da etwas korrigieren, ich kommen nicht aus der
Ukraine. Dort war ich nur ein paar Monate während meiner Militärausbildung. Ich komme aus einem Dorf nahe von
Leningrad.“ Von nun an sprachen sie Russisch miteinander. „ Und was hat sie nach Chicago verschlagen ?“ „ Ich bin zu
Besuch bei einem Freund“ sagte er, wobei er auf seinen Teller schaute. Es fiel ihm schwer ihr ins Gesicht zu lügen.
Vera spürte, daß es ihm unangenehm war über sich zu sprechen und erhob sich.
„ Es war schön sie kennengelernt zu haben, Oleg. Sie sind immer hier willkommen.“
Sie sammelte das Geschirr ein und machte sich auf den Weg zu einer kleinen Tür in der Kirchenmauer. Beim Hineingehen
rief sie noch über ihre Schulter Michail zu,“ Dann bis morgen.“ Das Morgen war etwas in die Länge gezogen, so als wolle
sie ihn unbedingt wiedersehen. Es war Zeit zu gehen, und darum entschied er sich für den Park. Dort angekommen fand er
eine sehr entspannte Atmosphäre vor.
Die Sonne schien auf eine große Liegewiese, auf der es sich einige Leute bequem gemacht hatten. Augenblicklich wurde er
müde. Richtig müde, und so gesellte er sich, in einem gewissen Abstand, zu den Anderen. Kaum das er sich hingelegt
hatte, schlief er ein. Morgen, war das letzte was ihm durch den Kopf ging.
11
„ Wie hat man sie in diesem Outfit ins Gebäude gelassen, Greg ?“ fragte Tara mit einem Lächeln. Greg winkte mit seinem
neuen Besucherausweis und sagte: „ Ich arbeite bei meinen Recherchen Under Cover. Mit meinem Anzug würde doch sehr
nach einem F.B.I Agenten aussehen, finden sie nicht.“ Sein Aussehen hatte sich wirklich verändert gegenüber dem wie sie
es kannte. Sein Outfit sah dem eines Streetworker ähnlich.
„ Sie sehen jünger aus in diesem Aufzug“ „ Ich bin jung.“ gab er ihr zurück und machte eine Rapper Pose. „ Lassen wir es
gut sein, heute sind überraschend schnell ein paar Printouts vom Konsulat gekommen.“ Wobei sie die Fotos auf dem
Schreibtisch ausbreitete. „ Die Video Bänder wollte man uns wohl nicht überlassen.“ „ Hatten vielleicht Angst, dass sie auf
YouTube landen könnten,“ sagte Greg und warf einen Blick auf die Fotos.
„Sie sind grottenschlecht,“ Aber sie hatten auch nichts anderes erwartet, nachdem sie die Kameras gesehen hatten.
„ Völlig unscharf, grau und die Auflösung entspricht eher einer frühen VHS Aufnahme.“ Das Gesicht war schwer zu
erkennen, da es auf den Bildern von den beiden Wachleuten nahezu verdeckt wurde. Einzig seine Jeans und ein schwarzes
T-Shirt konnte man mit Mühe erkennen. Aber so etwas trugen viele in Chicago.
„ Wir werden wohl damit leben müssen,“ sagte Tara. „Und ganz nebenbei, ich werde morgen ein Gespräch mit dem
Botschafter in Washington führen.“ „Sie fliegen nach Washington?“ fragte Greg. „ Nein, vorerst nur ein Gespräch über eine
sichere Leitung. Aber wie ist ihr Tag verlaufen Greg.“ Greg nahm ihr gegenüber Platz und gab Bericht.
„ Es befinden sich im näheren Umfeld des Flughafens vier Orthodoxe Kirchen. Ich habe sie alle besucht,“ gab er an. „ In
drei Fällen waren es gewöhnliche Kirchen, nur in der vierten gab es eine Verköstigung für Obdachlose. Kein schlechter Ort
für eine kostenlose Mahlzeit. Zudem wurden die Speisen von einer Ukrainerin gereicht.“ „ Haben sie dort gegessen ?“
fragte Tara etwas ungläubig. „ Was denken sie ? Ich komme aus der Ukraine, so etwas aus der Heimat lässt man sich doch
nicht entgehen. Klar habe ich gegessen und was soll ich ihnen sagen, es hat geschmeckt, als hätte meine Mutter das
Essen zubereitet.“ „ Nun, da hab ich wohl etwas verpasst,“ gab Tara lächelnd als Antwort.
„ Dennoch sollten wir alle vier Kirchen besuchen, jetzt wo wir ein Foto von unserem Piloten haben, und eine Befragung
durchführen. Das Gespräch mit dem Botschafter ist für 11 Uhr angesetzt, danach können wir starten.“ „ Ausnahmsweise
mal nicht um 10 Uhr ? Was ist der Grund warum sie vor 10 Uhr nicht arbeiten Agent Taylor ?“ „ Das ist einfach,“ gab sie
ihm zur Antwort. „ um 10 Uhr ist die Rush Hour vorbei und in der Subway gibt es Sitzplätze. So einfach ist das.“
12
„ Sie sollten sich zu dieser Stunde nicht mehr im Park aufhalten,“ sagte ihm eine bekannte Stimme. Michail öffnete die
Augen und bemerkte, dass es schon dämmerte. Vera stand neben ihm und lächelte ihn an. Er erhob sich in eine
Sitzposition und sammelte sich.

Er musste eine geraume Zeit geschlafen haben, denn es war niemand ausser ihm mehr auf der Wiese. „ Es ist nicht ganz
ungefährlich sich Abends und in der Nacht in Parks aufzuhalten. Wo wohnt ihr Freund, haben sie eine Adresse ? Ich kann
sie hinbringen.“ bot sie Michail an. „ Das ist nicht nötig, aber vielen Dank. Es ist nicht weit und ich werde den Weg schon
finden.“ Wieder log er sie an. Er hatte ein schlechtes Gefühl dabei.
Vera schaute ihm in die Augen und spürte seine Unsicherheit.
„ Sie sind ein schlechter Lügner Oleg. Also wo schlafen sie wirklich ?“ fragte sie mit Nachdruck. Er konnte und wollte sie
nicht anlügen. Nicht diese Frau.
Er zeigte auf den Busch in Richtung der Bank und sagte, „Dort hinter dem Busch habe ich die letzte Nacht verbracht, aber
das ist kein Problem für mich, Ich bin es gewohnt durch meine Ausbildung. Wir mussten häufig in der Natur übernachten
und zudem ist es ja warm.
„ Damit ist jetzt Schluss. Meine Freundin Isabella hat ein leeres Zimmer nachdem ihr Mann verstorben ist. Sie gibt es ihnen
gerne für die Nacht, wie ich sie kenne. Los kommen sie mit, es ist wirklich nicht sicher hier im Park.“ Über das Angebot
musste er nicht lange nachdenken, er würde in ihrer Nähe sein, und das war allemal besser als allein hinter einem Busch.
„ Vielen Dank und das wollen sie wirklich für mich tun ? Dann lassen sie mich ihre Töpfe tragen,“ bot er sich an. Vera nahm
sein Angebot die Töpfe zu tragen gerne an. Und so gingen eine wunderschöne Frau und ein junger Mann mit zwei Töpfen
auf den Ausgang des Parks zu.
Als sie später alle gemeinsam in Isabellas Küche saßen und Tee tranken, sagte Michail:
„ Vielen Dank für ihre Gastfreundschaft, aber leider kann ich sie nicht bezahlen, da ich weder Geld noch Papiere
habe.“ „ Machen sie sich darüber keine Gedanken, es ist schön mal wieder einen Mann in meinem Hause zu haben.“
winkte Isabella ab.
„ Wie sind sie nach Chicago gekommen,Oleg ?“ fragte Vera interessiert. „Als illegaler Einwanderer ?“ lächelte sie Michail
zu. „ Nein, oh nein, wir sind mit unserem Flugzeug in Chicago gelandet.“ „ Wir ?“ fragte Vera. „ Mein Copilot Oleg und
ich.“ „ Ihr Copilot heißt auch Oleg ?“ Michail merkte, dass er sich verraten hatte und suchte nach einer Lösung für seine
Lüge. Dann gab er kleinlaut zu „ Verzeihen sie mir bitte, aber ich habe ihnen bezüglich meines Namens nicht die Wahrheit
gesagt. Mein richtiger Name ist Michail.“ Es war ihm sichtlich peinlich die netten Frauen angelogen zu haben.
Vera und Isabella sahen sich an und Isabella fragte ihn mehr freundlich als ängstlich,
„ Müssen wir uns jetzt Sorgen machen, dass sie ein Krimineller oder gar ein Terrorist sind ?“
„ Bitte glauben sie mir, ich bin keines von beiden. Ich bin Major der Sowjetunion und Pilot einer Tu-144. Aus mir
unerklärlichen Gründen mussten wir hier in Chicago notlanden.“
„ Eine Notlandung mit ihrer Maschine ? Wo ist ihr Copilot jetzt ? Ist er verletzt oder gar verhaftet ?“ fragte Vera besorgt.
„ Um ehrlich zu sein, ich weiß es nicht. Wir wurden getrennt.“ Es herrschte für einen Augenblick absolute Ruhe in der
Küche und man merkte, dass die Frauen sichtlich verwirrt waren. „ Es ist spät und ich glaube es wäre für uns alle besser
etwas zu schlafen. Wir werden dann morgen weiter sprechen und bestimmt wird alles gut,“ sagte Isabella. „ Kommen sie,
ich zeige ihnen ihr Zimmer.“ Damit stand sie auf und ging schonmal voraus. „ Wir sehen uns dann morgen früh Oleg. Sorry,
Michail,“ verbesserte sich Vera. „ Ich gehe dann auch mal hoch.“ „Sie wohnen nicht hier ?“ fragte Michail und in seiner
Stimme klang etwas Enttäuschung. „ Nein, meine Wohnung befindet sich einen Stock höher. Schlafen sie gut und morgen
erzählen sie mir ihre ganze Geschichte Ok.“ Sie gab ihm einen Kuss auf seine Wange und ging aus der Tür.
Mit dem Kuss hatte er nicht gerechnet, war sich aber sofort im Klaren, sich nie wieder an der Stelle zu waschen.
13
Als Greg am nächsten Tag ins Büro kam, war Tara grad am telefonieren.
Mit dem Zeigefinger am Mund deutete sie an, dass er sich ruhig verhalten solle, wobei sie ihm eine Hörmuschel zu schob,
sodass er sich das Gespräch mit anhören konnte.
Es war Tara sehr wichtig, dass er auf die Ausdrucksweise und Reaktion achtet, wenn sie mit Russen sprach, und nicht nur
als Dolmetscher fungierte. Heute kam er wieder in seinem Anzug.
„ Das Angebot, Piloten aus Moskau einzufliegen um die Maschine wieder zurück zu holen, muss ich leider ablehnen Herr
Botschafter. Bitte richten sie ihren Leuten meinen Dank aus, aber das Flugzeug ist für uns bis zur Aufklärung des Falles ein
Tatort und verbleibt somit in der Zuständigkeit des F.B.I. Zudem wurde mir vom Airport mitgeteilt, dass dieses Flugzeug auf
Grund seines Zustandes, nie mehr eine Startgenehmigung erhalten würde. Allein die Tatsache, dass sich die Homeland
Security im Augenblick nicht einschaltet, beruht auf der Tatsache, dass wir bis heute nicht davon ausgehen es mit einem
Anschlag auf die Vereinigten Staaten zu tun zu haben. Ich gehe davon aus den flüchtigen Piloten in den nächsten Tagen
aufzuspüren. Es wäre wirklich sehr ungewöhnlich, dass Terroristen mit so einem auffälligen Flugzeug einreisen würden.“
„ Ich verstehe,“ sagte der Botschafter. „ Ausserdem bietet Moskau ihnen an, bei der Suche zu helfen. Man könnte ihnen
Agenten vom F.S.B zur Seite stellen,“ bot der Botschafter an. „ Nehmen sie mir auch das nicht übel, aber das letzte was wir
möchten ist, den Russischen Geheimdienst auf amerikanischem Boden zu haben.“ gab Tara klar zu verstehen. „ Aber wenn
man in Moskau helfen möchte, wäre es schön uns Information über das Flugzeug zu geben. Wo war es stationiert und
wenn möglich die Namen der Piloten.“ „ Das dürfte schwierig werden, denn man vermisst in Moskau weder eine
Passagiermaschine noch eine Militärmaschine. Auch in Moskau ist man verwundert über eine Landung dieses Flugzeugs in
den U.S.A.“
„ Verstehe ich das richtig, das es keine Unterlagen über dieses Flugzeug gibt ?“ fragte Tara ungläubig. „ Ob es Unterlagen
über dieses spezielle Flugzeug gibt, ist nicht so leicht heraus zu finden. Bedenken sie bitte, daß es sich bei der Tu-144 um
ein Flugzeug aus der ehemaligen Sowjetunion handelt, was mittlerweile mehr als zwanzig Jahre her ist. Um heraus zu
finden wo so ein Flugzeug stationiert war, müsste man nicht nur in Moskau suchen, sondern auch in allen Staaten, welche
zu der Zeit noch Mitglieder der UDSSR waren.
Ein Ding der Unmöglichkeit wenn sie mich fragen. Sicherlich ist ihnen bekannt, dass nach dem Ende der Sowjetunion ein
großes Chaos herrschte. Zu der Zeit konnte man in den Republiken alles kaufen, von angereichertem Uran bis hin zu allen
möglichen Waffen,“ gab er Tara zu verstehen. „ Zum Glück haben wir heute wieder geordnete Verhältnisse. Aber wer sagt
uns, ob nicht ein Russischer Oligarch zu der Zeit sich so eine Maschine gekauft hatte. Ein Überschallflugzeug hat nicht
jeder,“ versuchte er das Gespräch zu entspannen. „ Sollte er sich melden und sein Flugzeug vermissen, geben sie ihm bitte
meine Nummer,“ sagte Tara etwas sarkastisch. Für Tara war das Gespräch zu Ende, aber der Botschafter legte noch einen
nach. „ Was passiert mit dem verstorbenen Piloten, wenn ich fragen darf ?“ „ Ich denke, in diesem Fall wird der Pilot
eingeäschert und seine Urne aufbewahrt, bis wir wissen, wohin wir sie liefern können. Ich möchte an dieser Stelle noch
einmal unser Mitleid aussprechen, wenn es sich denn um einen Russen handeln sollte.“ „ Vielen Dank Agent Taylor, bitte
halten sie mich auf dem Laufenden und viel Glück. Sollte ich Neuigkeiten aus Moskau erhalten, lasse ich es sie wissen.“
Damit verabschiedeten sie sich voneinander. Greg legte die Ohrmuschel ab und sagte zu Tara, dass der Botschafter Recht
hatte in einem Punkt, es herrschten schlimme Zustände in Zeiten des Umbruchs.
Die Russen sind erst wieder zur Ruhe gekommen seit Putin an die Macht kam.“
Das wollte Tara jedoch nicht weiter kommentieren. „ Lassen sie uns gehen Greg.“
14
Als Michail morgens aus seinem Zimmer kam, hatte er seine alten Sachen wieder an.
„ Ich habe ihnen ein paar Sachen von meinem Mann herausgelegt, ihre müssen erstmal gewaschen werden. Und seinen
Rasierer habe ich ihnen auch hingelegt,“ sagte Isabella, die in der Küche stand und ein Frühstück vorbereitete.
Es roch nach Kaffee und gebratenem Speck. Michail ging ins Badezimmer und dachte für sich, wie er das nur wieder
gutmachen konnte. Er nahm sich vor nicht wieder zu lügen. Was hatte er schon zu verlieren, er hatte sich ja nichts
vorzuwerfen. Eine kurze Zeit später betrat Vera die Wohnung und gab Isabella einen Kuss auf die Wange.
„ Was würde ich nur ohne dich tun,“ sagte sie und goss sich einen Kaffee ein.
Fast hätte sie den Kaffee wieder ausgeprustet, als sie Michail aus dem Bad kommen sah.
„ Nein ihr Lieben das geht garnicht,“ lachte sie. „ In diesem Outfit macht er sich lächerlich.“ „Aber die Rasur steht ihnen
gut.“ schob sie noch hinterher. „ Nach dem Frühstück geh ich mit ihnen in eine Mall und dort werden wir sie neu einkleiden.
Haben sie gut geschlafen Michail ?“ fragte Vera. „ Ich bin schlecht eingeschlafen, aber nach einiger Zeit ging es doch,“
gab er ihr zur Antwort. „ Nun lassen sie uns erstmal frühstücken und heute Abend werden wir überlegen, was wir mit ihnen
machen.“ Michail war froh das nichts weiter gefragt wurde.
Im Einkaufszentrum ging es schnell. Vera ging mit ihm in ein Bekleidungsgeschäft, ähnlich einem H+M Laden und nach
kurzer Zeit war Michail neu eingekleidet.
Als sie wieder auf der Strasse waren, fragte er Vera „ Warum tun sie das alles für mich Vera ?“ Sie umging die Frage und
sagte: „ An den Weg erinnern sie sich, hoffe ich,“ Dann küsste sie ihn kurz. Auf den Mund. „ Ich sehe sie dann zum Essen.“
Er stand ein wenig verloren auf der Strasse und blickte ihr nach. Der nächste Kuss würde von ihm kommen,
da war er sich sicher. Die Kirche wäre ein schöner Ort dafür, dachte er sich.
Als er seine Hand in seine Hosentasche führte, spürte er einen Schein. Einen zwanzig Dollarschein. Das beschämte ihn. Er
beschloss ein paar Blumen für die beiden Frauen zu kaufen. Das war das wenigste was er tun konnte. Auch wenn es nicht
von seinem Geld war. Frauen lieben Blumen, auch in seiner Heimat. Nur gab es dort niemanden dem er sie hätte schenken
können. Bis zur Speisung bei der Kirche war noch Zeit und so entschloss er sich die Umgebung anzuschauen. Sollte man
nach ihm suchen, und davon ging er aus, würde sein neues Aussehen nicht weiter auffallen.
Was ihm auffiel waren die vielen Telefone, mit denen die Menschen herum liefen.
Alles was sie auf ihrem Stützpunkt hatten, war ein Satellitentelefon und einige Walkie -Talkies. Aber das hier ist Amerika,
und offenbar war man hier weiter, was die Kommunikation angeht. Er würde die Frauen danach fragen, denn es
interessierte ihn schon. Als er an einem Zeitungsstand ankam, schaute er sich einige Zeitungen und Zeitschriften durch,
möglich, dass etwas über die Landung geschrieben wurde. Aber er fand keine Meldung darüber. Gut so, dachte er sich, ein
Bild von ihm oder Oleg wäre fatal. Hätte er sich das Datum in den Zeitungen angeschaut, würde er sich sicherlich mehr als
wundern. Hatte er aber nicht, und so ging er weiter spazieren.
15
Nachdem Tara und Greg drei Kirchen besucht hatten ohne weitere Erkenntnisse gewonnen zu haben, kamen sie zur
vierten. Der mit der Essenausgabe. Die meisten saßen bereits an den Tischen und aßen still ihre Suppe. Tara ging direkt auf
die Frau hinter der Ausgabe zu und zeigte ihre Marke. „ Guten Tag, ich bin Agent Taylor vom F.B.I und würde ihnen gern ein
paar Fragen stellen.“ „ Guten Tag Agent Taylor, wie kann ich ihnen helfen ?“ fragte Vera, obwohl sie schon ahnte worum es
gehen könnte. „ Wir sind auf der Suche nach diesem Mann, wahrscheinlich ein Russe.“ Womit sie Vera das Bild von dem
Gesuchten zeigte. „ Schwer etwas darauf zu erkennen, es ist sehr undeutlich,“ gab Vera als Antwort, obwohl sie sofort
Michail erkannte. Weniger an dem Gesicht, aber an seiner Kleidung.
Es war die selbe Kleidung, welche er anhatte, als sie sich kennengelernt hatten.
„ Es kommen viele Menschen zu uns, einige sind Stammgäste, die Übrigen kommen und gehen. Aber an diesen Mann
kann ich mich nicht erinnern.“ Wobei sie ein nachdenkliches Gesicht machte, um ihre Aussage zu verstärken. Aus dem
Augenwinkel nahm sie Michail war, welcher gerade aus dem Park um die Ecke kam. „ Nein bedaure, aber an den Mann
kann ich mich nicht erinnern.“ Wobei sie ihren Kopf als Verneinung schüttelte, was mehr Michail gelten sollte. Michail sah
zwei Leute bei Vera stehen, welche nicht zu dem normalen Publikum passten. Zudem nahm er Veras Kopfschütteln war,
was er sofort auf sich bezog. Auch Tara nahm Veras kurzen Blick an ihr vorbei war. Sie drehte sich kurz um, aber dort war
niemand. „ Ich lasse ihnen meine Karte hier, und sollte er hier erscheinen,
so rufen sie mich bitte an.“ „ Was hat der Mann verbrochen ?“ fragte Vera.
„ Nichts, er braucht unsere Hilfe.“ „ Und ich hatte immer geglaubt, das F.B.I jagt Verbrecher.“ sagte Vera lächelnd, um die
Situation aufzuheitern. Die Leute schauen zu viel Fernsehen, dachte Tara, und verabschiedete sich.
„Sie lügt,“ sagte Greg, als sie sich auf dem Weg durch den Park machten.
„ Woher diese Vermutung ?“ fragte Tara. „ Russische Frauen haben einen angeborenen
Beschützerinstinkt. Durch die Bank,“ gab Greg zu verstehen. „Sollten wir ihn nicht in den nächsten Tagen aufspüren,
werden wir uns die Frau nochmal vornehmen. Für heute lassen wir es gut sein. Genießen sie den Rest des Tages mit ihrem
Freund.“ Kaum hatte sie das gesagt, bereute sie diese Bemerkung. War sie Eifersüchtig auf seine Beziehung?
„ Ich kann auch den Abend mit ihnen verbringen, wenn sie es möchten,“ bot Greg ihr an.
„ Vielen Dank für ihr Angebot, aber ich habe noch einen Termin am Airport.“
„ Soll ich sie begleiten?“ fragte Greg. „ Nicht nötig, ich treffe dort meinen Freund Bob, den Computerexperten, und er hat
es lieber wenn ich erstmal allein mit ihm spreche. Er ist immer etwas unsicher wenn Fremde dabei sind.“ „ Ok, wenn sie
meinen.“ sagte Greg und verabschiedete sich von Tara. Zudem war der Freund von Tara Amerikaner und es gab keine
Notwendigkeit, dass er unbedingt dabei sein musste. „ Also morgen im Office,“ rief er Tara hinterher. „ Um 10 Uhr ?“ Tara
hob ihren Daumen, ohne sich noch einmal umzudrehen.
16
Als Tara das Flugzeug betrat, schaute sie ins Cockpit und was sie dort vorfand verschlug ihr die Sprache. Nicht nur dass
das Cockpit leer war, es sah aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen.
Sämtliche Instrumente waren ausgebaut und es hingen nur noch Kabel aus den Löchern, in denen vorher die Instrumente
waren. „Bob,“ rief sie. „Wo steckst du ?“
„ Wir sind hier hinten,“ hörte sie aus der Passagier Kabine. War es schon im Cockpit ein Chaos,so sah es hier aus,
als wäre man beim Chaos Computer Club. Überall lagen elektrische Geräte auf dem Boden herum, umgeben von Cola
Dosen und Papptellern mit Essenresten. Nebenbei hatten sie sich zwei Flugzeugsitze besorgt. Ausrangierte First Class
Sitze. Tara schaute sich ungläubig um.
Hier sollte sie was über das Flugzeug erfahren? Aber so kannte sie Bob. So war seine Arbeitsatmosphäre. Sie grüßte den
Mechaniker vom Airport und er sagte: „ Ich lasse sie dann mal alleine, wenn sie mich brauchen, so hat Bob meine
Mobilnummer.“ Tara bedankte sich und wartete bis der Mechaniker ging. „ Und Bob, irgendwelche Ergebnisse ?“ Wobei sie
über das Sammelsurium schaute. Er aktivierte seine e-Zigarette und nahm einen Zug.
„ Daten gibt es reichlich, nur sind sie völlig durcheinander. So etwas habe ich noch nie erlebt.
Keine Struktur zu erkennen.“ „ Heißt das du blickst nicht durch ?“ fragte Tara ungläubig.
„ Nein, so schnell geben wir nicht auf. Computer sind zwar von Menschen gebaut, aber hier hat man den Eindruck, die
Computer hätten bewußt alles durcheinander gebracht.“ Wobei er einen weiteren Zug aus seiner Zigarette nahm. „ Ich bin
dabei ein Programm zu schreiben, welches dieses Durcheinander wieder entwirren soll. Das dauert.“
gab er Tara zu verstehen. „ Also keine Anhaltspunkte woher die Maschine gekommen ist ?“ fragte Tara enttäuscht. „ Nun,
mit Bestimmtheit kann ich sagen, dass die letzten Daten die Landung der Maschine in Chicago dokumentieren. Aber das
wussten wir ja und ist nichts neues. Das geben die Koordinaten wieder. Das Problem ist, dass sich die Daten mischen mit
weit älteren Daten aus dem Computern, soll heißen, dass sich dort noch Daten befinden, welche wohl nicht gelöscht oder
nicht überschrieben wurden. Diese alten Daten vermischen sich mit Neueren. Um eine Trennung der Daten zu erreichen
habe ich ein Programm geschrieben, welches dieses ermöglichen soll. Das dauert. Im Augenblick kann ich dir nicht mehr
anbieten. Sorry.“
„ Hört sich doch sehr vielversprechend an. Ich bin mir sicher du schaffst das,“ munterte Tara ihn auf. „ Wenn du es sagst,“
gab Bob lächelnd zurück.
17
„ Das F.B.I war heute bei uns, und dich habe ich auch gesehen Michail.“ Man saß bei Isabella in der Küche. „Wenn wir dir
helfen sollen, denke ich ist es an der Zeit uns zu erklären, warum das F.B.I nach dir sucht. Meinst du nicht auch ?“ sagte
Vera gefühlvoll. Michail saß sichtlich geknickt zwischen den beiden Frauen. Vera hatte das Sie in ein Du verändert, was
ihm sehr angenehm war.
„ Die Blumen sind wunderschön, Danke, “ sagte Isabella um ihn etwas aus seiner Lethargie heraus zu holen. Michail hätte
ihnen gerne alles gesagt, nur was sollte er ihnen sagen, wusste er doch selbst nicht was mit ihm geschehen war. „ Sie
sagten, sie wollten dir helfen, dass du Hilfe brauchen würdest,“ hakte Vera nach. „ Ich kann mich nicht dem F.B.I stellen,
ich bin ein Soldat und man würde mich in Moskau vor ein Militärgericht stellen. Ich darf dem F.B.I nichts über das Flugzeug
sagen. Das wäre Hochverrat.“
„ Es wäre doch möglich, dass man dir beim F.B.I helfen möchte, euch wieder nach Hause zu bringen.“ „Möglich, aber
daran glaube ich nicht. Mir sind Verhörmethoden von Geheimdiensten bestens bekannt. Und ausserdem weiß ja nicht mal
ich wie ich hierher gekommen bin. Es ist uns strengstens untersagt in den Luftraum der USA zu fliegen. Was bis heute
auch nie geschehen ist. Bis heute,“ sagte Michail. „ Und ich mache mir große Sorgen um Oleg.“ fügte er hinzu.
„ Was hälst du davon uns die ganze Geschichte zu erzählen ? Ganz vom Anfang. Wir sind deine Freunde Michail. Wir
verraten dich nicht. Hier bist du erstmal sicher,“ sagte Vera und Isabella bestätigte das durch ein Kopfnicken.
„ Bitte erwartet nicht zu viel, ich kann es mir ja selbst nicht erklären. Oleg und ich waren auf einem Testflug, was Routine für
uns war. Als nächstes kann ich mich nur noch erinnern, dass plötzlich zwei Kampfjets neben uns auftauchten.
Amerikanische Maschinen. Ich hatte das Gefühl gerade aus einem Tiefschlaf zu erwachen. Es ging mir richtig elend. Es fiel
mir sehr schwer, mich zu konzentrieren. Oleg neben mir hing in seinem Sitz, hatte die Augen geschlossen und machte den
Eindruck als wenn er schliefe oder tot war. Nur mit Mühe konnte ich den Anweisungen der Piloten des Kampfjets folgen. Es
gab keinen Sprechfunk und er gab mir Zeichen mit seiner Hand, ihnen zu folgen. Fragt mich nicht wie ich die Landung
geschafft habe, aber ich habe sie geschafft.
Danach muss ich ohnmächtig geworden sein. Ich wachte in einem Krankenhaus für kurze Zeit wieder auf, immer noch
völlig benommen. Es herrschte ein großes Durcheinander.
Viele Menschen in Weiß und alle sprachen Englisch, das Wort Chicago ist mehrfach gefallen. Später in der Nacht wurde ich
dadurch geweckt, dass man hektisch Oleg aus dem Zimmer schob. Niemand kümmerte sich um mich, und so beschloß
ich zu flüchten. Den Rest kennt ihr. Ich wachte in dem Park auf.“ Michail wirkte erschöpft, als er fertig war. „ Du hättest in
der Clinic bleiben sollen. Du hast großes Glück, dass du heute hier sitzen kannst. Wenn ich mir vorstelle, was dir hätte
passieren können in so einem Zustand.“ sagte Vera und schüttelte ihren Kopf. „Wie ich schon gesagt habe, man hätte mich
gefangen genommen und verhört. Ich hätte ihnen keine Erklärung geben können, weder wie wir in den Amerikanischen
Luftraum kamen und schon gar nichts über das Flugzeug.“ gab er zu verstehen. „ Was ist das besondere an diesem
Flugzeug ?“ fragte Vera. „ Dass es sich bei der Tu-144 um eine Militärmaschine handelt.“ gab er ihr als Antwort. „ Eine
Tu-144 sagst du ?“ Wobei Vera in ihrem Iphone nach der Bezeichnung googelte. Schnell fand sie reichlich Bilder im Internet
und zeigte sie ihm. „ Was ist daran so geheim, das Netz ist voll davon ?“ Michail schaute überrascht auf das Display und
wunderte sich mehr über das Iphone, als die Bilder welche die Tupolev zeigten.
„ Das sind Bilder von dem tragischen Absturz der Maschine, der sich 1973 ereignete.“ „ Und mit so einer Maschine seid ihr
in Chicago gelandet ?“ fragte Vera ungläubig. „ Ok mir sagt die Concorde etwas, aber auch die ist irgendwann abgestürzt
richtig?“ gab Isabella zu besten. Michail suchte nach Worten um den beiden Frauen zu erklären, was es mit seiner
Maschine auf sich hat. „ Offiziell wurde nach dem Absturz der Tupolev einige Zeit später das Projekt Tu-144 eingestellt. Ein
paar Museen bekamen einige Flugzeuge, insgesamt hatte man 16 Maschinen von diesem Typ. Aber zum verschrotten
waren sie zu schade, also übernahm das Militär die restlichen Maschinen, baute sie um und stationierte sie an den
äusseren Grenzen der Sowjetunion. Nach dem Umbau waren sie die perfekten Bomber für einen Ernstfall. Man darf nicht
vergessen, sie fliegen mit doppelter Schallgeschwindigkeit.“ „ Und deine Maschine ist so ein Bomber ?“
fragte Vera ungläubig nach. Michail nickte mit dem Kopf. „ Verstehe.“ Vera glaubte in diesem Moment Michails Problem
verstanden zu haben. „ Ich weiß ja nicht wie es euch geht, aber ich bin jetzt müde.“ sagte Isabella und erhob sich von
ihrem Stuhl. „ Schlaft gut und bis morgen.“ Damit ging sie in ihr Schlafzimmer und ließ die beiden allein in der Küche. Vera
nahm Michails Hände in die Ihre und sagte sehr gefühlvoll „ Du solltest nicht mehr zu der Kirche kommen, es ist zu
gefährlich, das F.B.I könnte sich dort noch mal sehen lassen.“ Dabei schaute sie ihm tief in die Augen.
Er genoß das Gefühl ihrer warmen und zarten Hände . Langsam beugte er sich über den Tisch und wollte sie küssen.
Es überkam ihn einfach, doch es kam nicht zum Kuss, da Vera ihm leise zuflüsterte, „ Bitte Michail, nicht hier.“
Sie nahm seine Hand und gemeinsam gingen sie nach oben in ihre Wohnung.
18
„ Was führt sie nach Chicago ?“ fragte der Immigration Officer vom O’Hare International Airport, wobei er den
französischen Pass des Mannes scannte, welcher vor ihm am Schalter stand. „ Ich bin Schriftsteller und möchte mir die
Stadt von Al Capone anschauen. Ich schreibe an einem Buch aus dieser Zeit,“ gab der Mann als Antwort.
„ Dann hoffe ich mal, dass sie diese Zeit nicht wieder aufleben lassen, Mister Durand,“ sagte der Officer und stempelte den
Pass.
Dieses mal reiste er als Franzose mit einem französischen Pass, welcher so gut gefälscht war, dass er sich keine Sorgen
machen musste. Er reiste immer mit verschieden Pässen, je nachdem, in welches Land ihn sein Auftrag führte. Seine
jeweilige Identität kannten nicht mal seine Auftraggeber.
„ Ins Marriott bitte,“ sagte er dem Taxi Fahrer. Er liebte die Vereinigten Staaten, wenn es auch schwieriger wurde hier zu
arbeiten nach 911.
An der Rezeption des Hotels überreichte der Concierge ihm seine Zimmerkarte, sowie ein Päckchen von der Größe eines
Schuhkartons. „Das ist vor einer Stunde für sie abgegeben worden, Mister Durand.“ Er bedankte sich, nahm das Päckchen
und sein Handgepäck und ging zu den Aufzügen. Nachdem er sich einen Gin Tonic aus der Mini Bar genommen hatte,
öffnete er das Päckchen. Darin befand sich ein Prepaid Handy und eine Heckler & Koch Pistole. Er liebte diesen Typ.
Deutsche Wertarbeit und sein ständiger Begleiter bei seinen Aufträgen. Aber ihm war bewusst, dass es sich nur um die
letzte Lösung handelte, sollte er keine Informationen aus dem Piloten herausbekommen. Denn das war sein Auftrag,
Informationen über Die Tu-144 auf amerikanischen Boden zu erfahren und sie an seine Auftraggeber zu übermitteln. Die
Russen waren in der Vergangenheit eine lukrative Einnahmequelle für ihn. Die Amerikaner allerdings auch. Geschäft ist
Geschäft, solange der Preis in Ordnung war. Seine Informationen waren zwar dürftig, alles was er wusste war, dass die
Tupolev in Chicago gelandet war, die Besatzung in ein Krankenhaus eingeliefert wurde und ein Pilot flüchtig war. Um den
zweiten Piloten brauchte er sich nicht zu kümmern, da dieser tot ist und somit nicht mehr sein Problem war. Nach dem
Flug Paris — Chicago war er müde und schlief nach dem Gin Tonic sofort ein.

19
„ Das Bild vom Piloten ist an alle Polizeidienststellen übermittelt worden,“ sagte Tara zu Greg, „ allerdings glaube ich nicht,
dass es uns viel weiter bringen wird,“ fügte sie resigniert hinzu. Greg saß vor einem Computer und war auf der Suche nach
neuen Anlaufstellen, wohin sich ein Russe in Chicago wenden könnte. „ Es gibt hier eine Website, an die sich russische
Staatsbürger in Chicago wenden können, wenn sie Hilfe brauchen. Das geht von Visa Anträgen bis hin zu Übersetzungen
von Dokumenten.
Alles auf Russisch. Leider haben wir keine Namen, weder vom Piloten noch vom Copiloten, sonst könnten wir dort eine
Suchanfrage starten, ob jemand sich bei ihnen auf der Suche nach einem Freund gemeldet hat.“ „ Der Pilot weiß nichts von
dem Tod seines Copiloten. Möglich, dass er auf der Suche nach ihm ist, und dort nachgefragt hat, ob man etwas über ihn
weiß. Nur glaube ich, dass er vermuten wird, dass wir seinen Copiloten in Gewahrsam haben. Egal, einen Versuch ist es
wert,“ sagte Tara, als in diesem Augenblick ein Anruf für sie kam. „ Doktor Harris, ich grüße sie. Was kann ich für sie tun?“
fragte Tara und lehnte sich in ihrem Bürostuhl zurück.
„ Ich wollte sie nur darüber informieren, dass heute morgen ein Mann bei mir in der Clinic angerufen hat, welcher sich als
ein freier Reporter ausgab und von mir Informationen über die Piloten haben wollte.“ „ Hat er ihnen seinen Namen
gesagt ?“ „ Wolter oder Woller, genau habe ich es nicht verstanden. Ich hatte wenig Zeit, und zudem geben wir keine
Informationen über unsere Patienten heraus. Ich sagte ihm, in diesem Fall möge er sich an das F.B.I wenden.“ „ Haben sie
ihm meinen Namen gesagt ?“ fragte Tara nach. „ Das habe ich. War das ein Fehler, Agent Taylor ?“ „ Nein, ist schon ok.
Dann wird er sich wohl bei mir melden. Haben sie vielen Dank, Doktor Harris.“
„ Gibt es ein Problem ?“ fragte Greg besorgt. „ Möglich.“ antwortete Tara. „ Ein Reporter rief heute bei Doktor Harris in der
Clinic an und hat sich nach den Piloten erkundigen wollen.“ „Könnte da etwas durchgesickert sein ?“ fragte Greg. „Warten
wir es ab,“ sagte Tara. „ Lassen sie uns Essen gehen, Greg.“ „ In der Kantine ?“ „ Um Himmelswillen nein,“ gab sie ihm
lachend zurück.
20
Als morgens alle am Küchentisch versammelt saßen, konnte man spüren, dass sich etwas verändert hatte. Nicht zuletzt
daran, dass Michail und Vera sich die Hände hielten.
„ Und da seid ihr euch sicher ?“ fragte Isabella lächelnd. „ Da !“ kam es synchron von beiden. „ Ich hoffe ihr wisst auf was
ihr euch da einlasst, Liebe kann blind machen.“
Aber die beiden schauten sich an, wie es nur Verliebte machen. „ Darf ich mir das mal anschauen,“ fragte Michail, wobei er
auf Veras Iphone zeigte. Sie reichte es ihm und merkte, dass er keine Ahnung hatte wie er es bedienen sollte. „ Warte ich
muss es erst entsperren,“ sagte Vera und hielt ihren Daumen auf den Home Button.
Als Michail auf das Display schaute merkte man ihm an, dass er scheinbar noch nie ein Iphone in der Hand hatte.
„ Wofür sind die vielen Knöpfe,“ fragte Michail ohne einen zu berühren.
„ Das sind Apps, keine Knöpfe. Hier,“ sie drückte auf den Mail Button, woraufhin sich sofort das Mail Programm öffnete.
„ Es gibt für alles eine App, probier es aus,“ bot Vera ihm an. Aber Michail war sich unsicher und legte das Iphone wieder
auf den Tisch. „ Du tust ja grad so, als hättet ihr keine iPhones in Russland,“ sagte Isabella.
„ Ok ich hab auch nur ein altes Nokia, aber zum Telefonieren reicht es.“
„Wir sollten dir ein Prepaid Handy besorgen, dann kannst du uns nicht verloren gehen,“
sagte Vera und gab ihm einen Kuss auf die Wange. Einen Kuss auf den Mund wollte sie
ihm vor Isabella nicht geben. „ Und dann können wir miteinander sprechen ?“ fragte Michail. „ Dann kannst du mit Gott
und der Welt sprechen,“ gab Isabella zum besten.
Als Michail sich entschuldigte und zur Toilette ging, schaute Isabella Vera an.
„ Ich denke es wäre gut, wenn du mit Michail einen Arzt aufsuchen würdest, er macht mir doch einen sehr verstörten
Eindruck. Eine Untersuchung könnte nicht schaden,“ meinte Isabella. „ In eine Clinic wird er nicht gehen, aber der Gedanke
ist mir auch schon gekommen.“ Vera hatte einen besorgten Gesichtsausdruck. Zu ihrem Freund Carl könnte sie mit ihm
gehen. Carl ist ein langjähriger Freund, ist Arzt und hat eine eigene Praxis. „ Ich werde versuchen, ihn zu überreden. Ich
möchte sichergehen, das alles in Ordnung mit ihm ist. Nachdem was er uns von der Landung erzählt hat und wie schlecht
es ihm dabei ging, könnte es sein, dass möglicherweise etwas zurück geblieben ist.“
Ihr Gespräch verstummte, als Michail wieder in die Küche kam.
21
Greg nahm ein Telefongespräch an, da Tara noch in einer Besprechung war, und er in ihrem Büro saß. „ Greg, Büro von
Agent Taylor,“ meldete er sich freundlich und nahm einen Stift und Block zum mitschreiben. „ Ich würde gern mit Agent
Taylor sprechen,“ sagte eine männliche Stimme am anderen Ende der Leitung. „ Agent Taylor befindet sich in einer
Besprechung, aber ich kann gern ihre Nummer notieren, sodass sie zurück rufen kann,“ bot Greg dem Mann an. „ Geben
sie mir bitte ihren Namen und eine Nummer unter der man sie erreichen kann.“ „ Mein Name tut nichts zur Sache, ich habe
Informationen zu dem russischen Piloten und seiner Maschine für Agent Taylor,“ sagte die Stimme kurz und bündig. „ Darf
ich dann eine Nummer notieren ?“ fragte Greg nach. „ Nein, nicht am Telefon, wenn Agent Taylor an dieser Information
interessiert ist, geht das nur bei einem persönlichem Gespräch.“ „ Verstehe,“ gab Greg als Antwort.

„ Um 16 Uhrim Coffee Shop in der Michigan Plaza. Sie soll in einer Chicago Tribune lesen, damit ich sie erkenne.“ Bevor
Greg noch etwas erwidern konnte, war das Gespräch beendet und der Mann hatte aufgelegt. Greg notierte das Gesagte
und dachte nach.
Immerhin hatte der Mann direkt nach Tara gefragt und sich nicht einfach beim F.B.I gemeldet mit seiner Info.
Als Tara nach einer halben Stunde ins Büro kam, erzählte er ihr von dem ominösen Anruf.
Tara hörte ihm aufmerksam zu und schaute dann auf die Uhrzeit. Es war 14 Uhr.
„ Sie werden mich begleiten, aber an einem anderen Tisch Platz nehmen. Ich möchte ihn nicht verscheuchen, wenn wir
beide dort erscheinen. Schon möglich, dass er Informationen hat, welche uns weiter helfen könnten. Ich habe noch etwas
zu tun, aber in einer Stunde können wir los. Sein sie so nett, und besorgen mir eine Chicago Tribune in der Zeit,“ bat sie
Greg. „Werden sie verkabelt sein ?“ Sie schaute Greg lange an und sagte „ Nein.“ Er verstand sie sofort.
22
„ Ich würde die Untersuchung gern allein durchführen, könntest du im Vorzimmer warten,“sagte Carl zu Vera.
„ Ich möchte, dass Vera bei mir bleibt,“ sagte Michail und nahm Veras Hand. „ Ok,“ sagte der Arzt und lächelte um Michail
zu beruhigen.
„ Beginnen wir mit ihrem Namen. Wie ist ihr voller Name ?“
„ Michail Antonow.“ Der Arzt nickte mit dem Kopf und fuhr fort, „Was sind sie von Beruf ?“
„ Ich bin Major der Sowjetischen Streitkräfte,“ gab Michail an.
„ Und sie sind Pilot, richtig ?“ „Pilot einer Tu-144.“ Michails Antworten kamen klar und kurz.
„ Welchen Tag haben wir heute, Michail ?“
Michail musste nachdenken, woher sollte er wissen welchen Tag sie heute hatten.
„ Wissen sie den Monat ?“ fragte Carl weiter.
„ Juli, wir haben Juli.“ Er war froh wenigsten den Monat zu wissen.
„ Und welches Jahr schreiben wir, Michail ?“
„ 1990.“ sagte Michail wie aus der Pistole geschossen. Der Arzt warf Vera einen kurzen Blick zu und führte seine Befragung
fort.
„ Wie alt sind sie, Michail ?“ „ Ich bin 32,“ antwortete er.
„ Leiden sie zur Zeit an Schwindelgefühlen oder Kopfschmerzen ?“
„ Die hatte ich in den ersten Tagen, aber jetzt geht es mir besser.“ Wobei er Vera zu lächelte und sie seine Hand drückte.
„ Ich möchte noch einmal auf das Datum zu sprechen kommen,“ sagte der Arzt und schaute auf seine Aufzeichnungen vor
ihm. „ Juli 1990 habe ich verstanden, ist das richtig ?“ Michail bestätigte das mit einem Kopfnicken.
Als Vera später mit ihrem Freund Carl telefonierte, fragte sie ihn nach seiner Einschätzung zu dem Gesundheitszustand von
Michail. „Es deutet für mich alles auf eine Amnesie hin. Da wir nicht wissen was mit Michail während des Fluges geschehen
ist, würde ich zunächst ein MRT vorschlagen um sicher zu gehen, dass sein Gehirn keine Schäden aufweist,“ gab er Vera
zu verstehen.
„ Sollte ich ihm sagen, dass wir das Jahr 2018 haben ?“ fragte sie besorgt.
„ Ich würde auf seine Gedankenfehler erst einmal nicht eingehen, verhalte dich ihm gegenüber ganz normal,
bis wir weitere Erkenntnisse haben.“ riet Carl seiner Freundin.
„ Ist Amnesie heilbar ?“ fragte sie besorgt. „ Eine Amnesie ist äußerst komplex, wenn es sich denn bei ihm um eine handelt.
Wie gesagt, wir sollten das MRT abwarten. Wie verhält er sich im täglichen Ablauf ?“
„ Wir lieben uns,“ gab Vera dem Arzt zu verstehen.
23
Als Vera nach der Essenausgabe, das Geschirr abräumte und es in die kleine Kammer in der Kirche brachte, öffnete sie die
Tür und bekam einen riesigen Schreck.
Eine Gestalt mit einem Kapuzenpullover stand in einer dunklen Ecke. Das Geschirr hielt sie fest in ihren Händen.
Erst als die Gestalt langsam auf sie zukam und in das Licht trat, erkannte sie Michail. Sie wusste nicht,
ob sie sich freuen oder ängstigen sollte.
„ Michail.“ flehte sie ihn an, „ du darfst dich hier nicht sehen lassen.“ Und schon nahm er sie in den Arm,
mit all den Tellern, und küsste sie. Lange.
Seine Begierde, es jetzt gleich hier und jetzt zu treiben, wurde von Vera unterbrochen.
„ Wir sind in einer Kirche !“ versuchte sie entsetzt zu klingen.
Michail bekam einen sinnlichen Ausdruck in seinem Gesicht und er sagte:“ Ich stelle mir gerade vor, wir würden uns mitten
in der Kirche lieben.“ Augenblicklich schoß Vera das Gespräch mit ihrem Freund Carl ins Gedächtnis. Er als Russe wäre zu
so etwas im Stande ? Kein Russischer Mann würde eine Kirche entweihen. Zumindest kein Mann aus der Ukraine.
Dennoch gefiel ihr die Vorstellung und zudem waren sie in einer kleinen Kammer und nicht in der Mitte der Kirche. Und so
gab sie sich ihm hin. Gott hatte anderes zu tun, als auf diese kleine Kammer zu achten.
24

Greg saß mit dem Rücken zur Wand und hatte einen guten Überblick über den Coffee Shop, sowie auf Tara.
Sie saß an einem Zweiertisch und schaute in ihre Chicago Tribune.
In ihrem Kostüm sah sie aus, als sei aus dem Bankgeschäft oder aus dem Immobilien Gewerbe.
Greg hatte sein iPad in den Händen und tat als würde er lesen.
Der Coffee Shop war gut gefüllt und einige Leute standen für ihren Coffee to go an.
Es waren schon 15 Minuten über der Zeit und niemand hatte Kontakt zu Tara aufgenommen.
Aber in einer großen Stadt wie Chicago, waren 15 Minuten Verspätung nichts ungewöhnliches.
Als allerdings nach einer halben Stunde immer noch niemand erschien, ließ Tara demonstrativ ihre Zeitung auf dem Tisch
liegen und verließ den Coffee Shop.
Greg ließ sich noch etwas Zeit bis er ihr folgte.
„Warum ist er wohl nicht gekommen ?“ fragte Greg, als er sie auf der Strasse einholte.
„ Er war da, nur hat er sich nicht zu erkennen gegeben.“ Wobei sie schnellen Schrittes weiter ging, dass Greg mühe hatte
mitzuhalten. „ Sie meinen, er wollte nur sehen wer sie sind ?“ „ Ich fürchte, jetzt ist noch jemand auf der Suche nach
unserem Piloten.“
„ Verstehe,“ sagte Greg „ Nun kennt er sie, aber wir nicht ihn. Glauben sie, er wird ihnen folgen um auf diesem Weg an
unseren Mann zu kommen? Könnte zu einem Katz und Maus Spiel werden.“ „ Beim Katz und Maus Spiel kommt es darauf
an, wer die Katze ist und wer die Maus,“ gab Tara ihm als Antwort. „ Den Spruch habe ich übrigens aus dem Fernsehen.“
Greg bewunderte ihre Gelassenheit. „Morgen machen wir noch einmal einen Besuch bei der Frau von der Kirche. Im Büro
sollten mittlerweile die Fotos von der Observierung der Frau vorliegen.“ „ Wir haben sie überwacht ?“ fragte Greg
ungläubig. „ Auch das haben wir uns vom Fernsehen abgeschaut.“ gab sie ihm lächelnd zu verstehen.
25
Das war sie also, Agent Taylor. Attraktive Frau, und unter anderen Umständen hätte er sie sicherlich gefragt, ob an ihrem
Tisch noch ein Platz frei sei. Aber nun brauchte er ihr nur zu folgen, um zumindest in die Nähe des Piloten zu kommen.
Möglich das Agent Taylor eine heiße Spur verfolgte. Dass sie ihn noch nicht gefunden hatte wusste er, warum wäre sie
sonst zu dem Treffen gekommen. An das Flugzeug zu kommen würde schier unmöglich sein, aber das war auch garnicht
sein Anliegen. Es war eine Tupolev, und wenn schon.
Nein, nur der Pilot konnte ihm sagen was hier vorging. Und genau das wollte er heraus finden.
26
Bob hatte sich vom Flughafen gemeldet, und ihr mitgeteilt, dass er erste Ergebnisse haben würde. Die Daten aus dem
Computer seien entwirrt. Ein erster Schritt in die richtige Richtung, dachte Tara. Sie hatten sich für morgen nachmittag
verabredet, da Tara um die Mittagszeit an der Kirche sein wollte. Für heute machte sie Feierabend, da sie später mit ihren
Brüdern bei ihrer Mutter zum Essen eingeladen waren. Das ließ ihre Mutter sich nicht nehmen, einmal im Monat wollte sie
ihre Kinder sehen. Das war Gesetz.
Nach einem opulenten Essen, es gab Spare Ribs, das Lieblingsessen ihrer Brüder, hatte sich ihre Mutter zurück gezogen.
Nicht ohne noch einmal ihre Kinder daran zu erinnern,dass sie sich Enkelkinder wünschte. Vor ihrem Tod.
Ihr Bruder Daniel ist Rechtsanwalt in einer Kanzlei für Wirtschaft und Steuergesetze,
ihr Bruder Andrew war Helikopterpilot bei der Army und fliegt heute für ein Unternehmen, welches im Windkraftbereich
tätig ist.
Man saß entspannt bei Wein und Whisky am Küchentisch und die Brüder lauschten den Erzählungen ihrer Schwester.
Allemal interessanter als aus ihren Bereichen.
Wenn Tara jemandem etwas anvertrauen konnte, dann ihren Brüdern. Zudem tat es Tara gut, mit jemandem zu reden.
„ Was hast du mit dem Piloten vor nachdem du ihn gefunden hast ?“ fragte Daniel.
„ Ich werde versuchen, ihn wieder nach Hause zu bringen,“ gab sie zur Antwort, als sei es das normalste der Welt.
„ Wie willst du das anstellen, wird er nicht verhaftet ?“
„ Warum sollte er, ausser das er eine Notlandung machte, hat er sich nichts zuschulden kommen lassen,“ sagte sie und
nahm einen Schluck aus ihrem Weinglas. „ Aber er ist auf der Flucht vor dir,“ gab Daniel zu bedenken.
„ Er hat Angst vor den Behörden, daher möchte ich die Behörden aus dem Spiel lassen.“
„ Verstehe ich das richtig, du willst ihn an den Behörden vorbei aus dem Land schaffen ?“ fragte Andrew ungläubig,
„ wie willst du das schaffen?“ „ Ich habe keine Ahnung,“ sagte Tara.
Darauf hatten ihre Brüder nichts zu sagen, wenn Tara sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, dann zog sie es auch durch,
soviel war klar.
27
Als Tara und Greg bei der Kirche ankamen, war die Essenausgabe in vollem Gange.
Sie warteten etwas abseits, bis sich die Reihe Anstehender gelichtet hatte.
„ Das F.B.I kommt sicherlich nicht zum Essen, liege ich da richtig ?“ fragte Vera so freundlich sie konnte.
„ Nein, wir hätten da noch einige Fragen,“ wobei Tara ihr ein Foto zeigte, auf dem Vera mit einem Mann zu sehen war.
Am Eingang zum kleinen Raum an der Kirche. Vera schaute auf das Foto und sah sich und Michail.
Entrüstet sagte sie „ Sie beschatten mich !“ „ Nein, nicht sie, nur die Leute welche hier zu ihnen kommen.“

versuchte Tara Vera zu beruhigen. „ Können sie uns sagen um welchen Mann es sich handelt, mit dem sie dort zu sehen
sind ?“ „ Das ist doch wohl meine Privat Sache.“
„ Nicht wenn es sich um eine Ermittlung handelt,“ gab Tara ihr zu verstehen.
„ Er ist ein Freund. Er besucht mich öfters.“ „ Hat dieser Freund auch einen Namen ?“ „ Ich kenne ihn nur als Jim,“
log sie.
„ So, er heißt also Jim, und können sie mir sagen warum Ihr Freund Jim im Juli einen Hoodie trägt und seine Kapuze auf
hat ?“ „ Er findet es wohl cool, und wenn sie keine weiteren Fragen haben, würde ich gerne weiter arbeiten Agent Taylor.“
„ Vera, wir sind nicht ihre Feinde. Wir glauben, dass noch jemand anderes auf der Suche nach dem Mann ist nach dem wir
suchen. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass er die gleichen Absichten hat wie wir, nämlich zu helfen. Wenn sie uns und
auch dem Mann helfen wollen, wenden sie sich bitte an uns.“ Wobei sie Vera eine Karte reichte.
„ Meine Privatnummer steht auf der Rückseite, sie können mich jederzeit anrufen.“
„ Geht das jetzt so weiter mit ihrer Beschattung, weitere Fotos von mir ?“
„ Nicht von ihnen, nur von den Menschen welche sich hier aufhalten, dass ist normal bei einer Ermittlung, Sorry.“
Vera verstand, die Agentin war nicht dumm, man hatte sie auf dem Radar, und früher oder später auch Michail.
Um gute Stimmung zum bösen Spiel zu machen, fragte Vera die beiden, ob sie vielleicht etwas essen möchten.
Tara überlegte kurz und sagte „Gern.“ Sich gut zustellen mit der Frau, konnte nicht schaden bei ihren Ermittlungen.
Sie nahmen an einem der Tische Platz und Vera reichte ihnen zwei Teller. Es schmeckte köstlich.
Vera setzte sich zu ihnen und sagte nach einer Weile: „ Jetzt hätte ich eine Frage, wenn das in Ordnung ist.“
Tara gab durch ein Kopfnicken zu verstehen, dass es für sie Ok sei.
„ Was verstehen sie beim F.B.I unter Helfen ?“
Tara schluckte erst ihren Bissen runter, bevor sie antwortete. „ Ich habe vor den Mann wieder in seine Heimat zu bringen.
Natürlich werden wir ihn ausführlich befragen, über seiner Landung hier in Chicago, aber das ist auch alles. Er hat ja kein
Verbrechen begannen. Er ist ein freier Mann.“ Vera deutete mit einem Kopfnicken an, dass für sie die Frage beantwortet
war, stand vom Tisch auf und verabschiedete sich.
Greg ging nach dem Essen noch einmal auf Vera zu, und gab ihr zehn Dollar in die Hand.
Vera nahm das Geld dankend an und schaute den beiden nach. Konnte man das wirklich glauben, und war es ihr
überhaupt recht, wenn Michail zurück nach Russland ginge.
„ Von wo wurden die Fotos gemacht ?“ fragte Greg und schaute sich in der Umgebung um. „ Sehen sie hier irgendwo
einen Lieferwagen ?“ fragte sie Greg und lächelte dabei.
„ Nein,“ sagte Greg, der sich nach einem Lieferwagen umschaute, aber keinen entdecken konnte. „ Es gibt auch keinen,
den gibt es nur im…“ „ Fernsehen.“ Langsam nervten ihn die Parallelen zu den Fernsehkrimis.
„ Unser Mann steht im Park mit seiner Kamera und macht Naturaufnahmen. Von dort hat er gute Sicht auf die Kirche.“ gab
Tara Greg zu verstehen. „ Ich fahre jetzt raus zum Airport, möchten sie mich begleiten ? Wäre doch ein Anlass ihre Kollegen
mal wieder zu sehen, die vermissen sie sicherlich schon.“
„ Besteht die Möglichkeit sich die Maschine einmal anzuschauen, ich habe noch nie eine Tupolev zu Gesicht bekommen.“
„ Warum nicht, die Maschine gehört zur Geschichte ihres Landes, Greg.“ Und so gingen sie auf die Subway zu.
28
Als Vera sich grad auf den Heimweg machen wollte, sah sie einen gut gekleideten Mann, an einem der Tische sitzen. „ Sie
sehen nicht aus, als wären sie zum Essen gekommen.“ sprach sie den Mann an. „ Aber bitte bleiben sie ruhig sitzen, wenn
sie sich etwas ausruhen möchten.“
„ Nein,“ sagte der Mann,“ Ich bin eigentlich ihretwegen gekommen.“
„ Meinetwegen ?“ fragte sie erstaunt. „ Bitte, nehmen sie doch einen Augenblick Platz.“ Wobei er Vera mit der Hand einlud
sich zu setzen. Von dem Clown mit seinem Teleobjektiv im Park, welchen er sofort als Agenten erkannt hatte, ging keine
Gefahr aus, da dieser bereits am einpacken seiner Kameraausrüstung gewesen war. Wen sollte er auch noch fotografieren,
die Fütterung der Bedürftigen war längst vorbei.
„Sie hatten Besuch vom F.B.I, richtig ?“
„ Woher wissen sie das ?“ Auf diese Frage ging er nicht weiter ein, sondern sagte statt dessen, „ Ich bin von der russischen
Pilotenvereinigung des Militärs beauftragt worden, einen ihrer Piloten zurück nach Moskau zu bringen. Man macht sich
große Sorgen um ihn.“ „ Sie sind kein Russe,“ sagte Vera und schaute skeptisch. „ Nein, ich arbeite für das Russische
Militär. Einen Russen für diesen Auftrag einzusetzen, würde den Behörden hier glaube ich nicht wirklich gefallen. Daher gab
man einem Mann wie mir diesen Auftrag nach dem Piloten zu suchen. Ich bin neutral und daher unsichtbar für das F.B.I.“
gab er Vera lächelnd zu verstehen. „ Sollte das F.B.I ihn vor mir in die Hände bekommen, wandert er mit Sicherheit ins
Gefängnis und dann kann ich nichts mehr für ihn tun.“
Vera war sichtlich überfordert, erst die Agenten, und nun auch noch dieser Mann.
„ Wie stellen sie sich vor den gesuchten Piloten ausser Landes zu bringen, vorbei an den Behörden unseres Landes ?“
wollte sie ihn prüfen. „ Wir haben unsere Wege.“ lächelte er.
Er schien einiges zu wissen über Michail, aber warum suchte er nur nach Michail und nicht nach dem Copiloten. „ Sie
suchen nur nach einen Piloten ?“ wollte sie ihn ausfragen, und prüfen ob er etwas vom Copiloten wusste.
„ Nun, wenn sie von dem zweiten, dem Copiloten sprechen, müssten sie wissen, dass dieser verstorben ist nach der
Notlandung.“ Nun prüfte er Vera. Er spürte, dass diese Frau etwas über den Piloten wissen würde.

Vera war sichtlich geschockt, als sie die Nachricht vom Tod des Copiloten hörte. Wie sollte sie es Michail beibringen, und
war es wirklich die Wahrheit, was dieser Mann ihr erzählte. Sie saß wie versteinert da, und wusste nicht was sie sagen
sollte. Nach einem Augenblick stand sie auf und sagte,“ Es tut mir leid, ich habe keine Ahnung wovon sie sprechen.“
Der Mann stand ebenfalls auf, und zog eine Karte aus seinem Jacket. „ Verzeihen sie, dass ich sie so überfallen habe mit
meinem Anliegen, aber bitte verstehen sie, dass es um die Sicherheit unseres Piloten geht. Unter dieser Nummer können
sie mich erreichen.“ Vera nahm die Karte, und ging ohne Verabschiedung in Richtung Park.
Der Mann war zufrieden, Agent Taylor hatte gut für ihn vorgearbeitet.
29
Greg war nach einem flüchtigen Besuch bei seiner Abteilung am Airport mittlerweile
bei Tara und Bob in der Maschine angekommen. Er stand in einem kleinen Abstand zu den Beiden, wusste er doch, dass
Taras Freund Bob etwas menschenscheu war.
Er hörte aufmerksam zu.
„ Ok, was wir hier haben sind Koordinaten vom äußersten Ende Russlands. Gleich bei der Beringstrasse,“ wobei Bob auf
einen Monitor zeigte, auf dem Google Earth lief.
„ Nur ist dort beim besten Willen nichts zu finden. Berge, Wälder und Wiesen. Keine Dörfer, keine Städte. Selbst mit Google
Earth Pro ist nichts zu erkennen. Die Auflösung reicht einfach nicht aus.“
„ Das ist verdammt nah an Alaska.“ sagte Tara etwas besorgt. „ Ich bitte daran zu denken, dass diese Koordinaten weit
zurück liegen in der Zeit, was wir hier sehen sind Bilder von Heute,“ gab Bob zu bedenken. „ Könnten es Koordinaten von
Zielen für einen Abwurf von Übungsbomben sein ? Die Gegend wäre für eine Übung optimal,“ sagte Greg aus dem
Hintergrund. „ Wie gesagt, dort könnte alles sein, aber das würden nur Bilder von einem Satelliten liefern,“ gab Bob als
Antwort. Tara spielte alle Optionen in ihrem Kopf durch und sagte nach einer Weile: „ Ok, holen wir uns die Bilder. Nur kann
es eine Weile dauern,
bis der Satellit programmiert ist und über diese Gegend fliegt.“
„ Das kannst du so einfach entscheiden ? Was ist, wenn wir nichts finden auf den Bildern?“ fragte Bob erstaunt. „ Dann
überlassen wir Google Earth die Bilder.“ Cool, dachte Greg.
„ Ich würde allerdings vorschlagen, dass wir uns die Bilder, wenn sie dann vorliegen, beim F.B.I anschauen. Wir haben dort
hochauflösende Monitore,“ schlug Tara vor.
„ Ein guter Grund hier einmal rauszukommen.“ „ Ich gebe Dir eine Nachricht, wenn sie vorliegen,“ sagte Tara und
verabschiedete sich von Bob. „ Ich hätte da noch eine Frage zum Flugzeug,“ meinte Greg. „ Nur zu.“ Tara blieb stehen und
sah Greg fragend an. „ Wie ist es möglich, und entschuldigen sie bitte meine Ausdrucksweise, dass so ein Schrotthaufen
fliegen konnte ?“ Seine Frage war mehr an Bob gerichtet, als an Tara. „ Nach meiner Information ist dieser Zustand über
Nacht gekommen. Möglich, dass die Maschine einer extrem hohen Belastung ausgesetzt war. Vergessen wir nicht, dass
bei einem Überschallflug eine Hitze von über 120 Grad an der Aussenhaut gemessen wird.
Und wer weiß, ob nicht zwei junge Piloten zu ihrem Spass, die Maschine an ihre Grenzen gebracht haben. Möglich, dass
sie dabei die Stratosphäre erreicht haben. Nicht auszudenken, was bei so einer Höhe mit dem Flugzeug passiert, wenn es
in einen Sturzflug geht.“ „ Eine Ohnmacht der Piloten ?“ fragte Tara nach. „ Möglich,“ sagte Bob.
30
Vera saß auf einer Bank im Park und versuchte das Gehörte zu verarbeiten.
Sie fühlte sich plötzlich elend und allein. Wem sollte sie glauben und vor allem, wie sollte sie Michail sagen, dass sein
Freund der Copilot gestorben ist. War die Geschichte überhaupt wahr. Aber warum hätte der Mann lügen sollen, offenbar
wußte man in Moskau bescheid. Dass wäre doch gut für Michail. Man würde ihn wieder in seine Heimat bringen.
Aber war es auch für sie gut ? fragte sie sich. Sie würde ihn verlieren.
Wie auch immer, es mußte eine Lösung gefunden werden. Heute.
„ Es gibt keine Pilotenvereinigung in der Sowjetunion.“ sagte Michail, nachdem Vera ihm von dem Mann erzählte, welcher
heute bei ihr war. Man saß zu dritt in der Küche, „ Davor hatte ich noch einmal Besuch von der F.B.I Agentin, sie erzählte
mir, dass möglicherweise Moskau bereits informiert sei.
Sie war von dieser Vorstellung allerdings nicht sehr begeistert und hoffe, dich vorher zu finden.“ Vera machte eine Pause.
„ Michail, du mußt dich entscheiden mit wem du sprechen möchtest. Früher oder später wird einer von Beiden dich
aufspüren.
Es ist nur eine Frage der Zeit. Sieh es doch mal positiv, beide wollen dir helfen und dich nach Hause bringen.“ „ Ich möchte
mit dir zusammen sein.“ „ Das möchte ich auch.“
sagte Vera und nahm seinen Kopf in ihre Hände. Um Michail vom Tod seines Freundes zu berichten, fehlte ihr der Mut.
Nicht heute.
31
Es dauerte keine 6 Stunden und sie hatten die Satellitenfotos auf dem Tisch.
Tara, Greg und Bob saßen zusammen mit einem Operator vor einem riesigen Monitor.

Man hätte meinen können, sie würden für den National Geographic arbeiten, denn auf dem Monitor war nichts als die reine
Natur zu sehen. Wälder, Berge und freie Landschaften. „ Wonach suchen wir genau, Agent Taylor ?“ fragte der Operator.
„ Im besten Fall nach einer russischen Militärbasis,“ gab sie ihm zur Antwort und versuchte weiter auf dem Monitor etwas
zu finden. „ Über russische Militärbasen sind wir bestens informiert, es sei denn sie wären unterirdisch,“ gab er ihr zu
verstehen.
„ Und wir sind uns sicher was die Koordinaten angeht, ich meine wir suchen in der richtigen Gegend ?“ Diese Frage war an
Bob gerichtet. „ Alles was ich sagen kann ist , dass diese Koordinaten öfter vorkamen. Also ja , wir suchen an der richtigen
Stelle.“
„ Lassen sich Bombenkrater erkennen ?“ fragte Greg. „ Nein, danach sieht die Gegend nicht aus,“ bekam er als Antwort
vom Operator. In den Gesichtern macht sich Enttäuschung bemerkbar. Immerhin konnten die Daten auch aus einem
Überflug über dieses Gebiet resultieren. Tara zeigte dem Operator eine Stelle auf dem Monitor, und bat ihn, den Ausschnitt
etwas zu vergrößern. „ Sehe ich das nur, oder kommt es mir nur so vor, dass an dieser Stelle die Bewaldung wie ein Strich
in der Landschaft aussieht.
Es macht den Eindruck, als hätte dort eine Aufforstung statt gefunden.“ Der Operator vergrößerte sofort das Bild, und nun
konnte man erkennen, dass sich die Begrünung in einer Linie, durch die Landschaft zog. „ Weiter rechts könnte man
glauben, dass sich ein flacher Betonbau unter all dem Grünzeug befindet. Nur völlig überwachsen.“
Bob hatte recht, es sah nach einem Gebäude aus, welches sich die Natur zurück erobert hatte. „ Könnte es sein, dass es
sich um eine Start und Landebahn aus früheren Zeiten handelt ?“ fragte Tara in die Runde. „ Leider haben wir keine
Möglichkeit in der Zeit zurück zu gehen, um zu sehen wie es dort einmal aussah, bevor alles überwuchert wurde,“ sagte
Bob resigniert. „ Es sieht verdammt nach einer alten Basis aus der ehemaligen Sowjetunion aus. Aufgegeben, und der
Natur überlassen, wenn sie mich fragen,“ sagte der Operator. „ Was glauben sie, nehmen wir einmal an, es wäre eine
Startbahn gewesen, wäre sie lang genug für ein Flugzeug wie die Tupolev ?“ Tara war hellwach in diesem Augenblick.
„ Allemal, Agent Taylor.“ „ Danke,“ sagte sie. Greg und Bob schauten sich fragend an.
32
Nachdem Vera mit ihrem Arzt Carl telefoniert hatte, und er ihr sagte, das MRT habe keine art von Anomalie gezeigt,
er ihr aber nun rate einen Therapeuten aufzusuchen, war Vera erst einmal erleichtert. Es würde alles auf eine Amnesie
hindeuten. Michails Gedächtnisverlust könnte auf ein traumatisches Erlebnis aus seiner Kindheit herrühren.
Carl gab ihr eine Nummer eines befreundeten Therapeuten.
Heute würde sie mit ihm reden, das Versteckspielen würde nicht mehr lange gehen, und wer weiß, ob man nicht
inzwischen ihr Telefon abhören würde oder schlimmeres.
Oder gar sie in ihrer Wohnung aufsuchen würde. Auch vom Tod seines Copiloten würde sie ihm berichten.
Davor hatte sie am meisten Angst. Oder sollte sie sich mit der Frau vom F.B.I in Verbindung setzen, von der sie glaubte,
dass diese längst über alles bescheid wusste. Aber Vera glaubte, dass es sich um Verrat gegenüber Michail handeln
würde. Die Entscheidung wem er sich offenbaren wollte, müsste sie ihm überlassen.
Als Vera Michail bat, mit ihr einen Spaziergang zu machen, dämmerte es bereits.
Der Verkehr ließ langsam nach und es war angenehm warm. Was für ein schöner Abend für zwei Verliebte, wäre da nicht
das Gespräch welches sie mit Michail führen müsste.
33
„Morgen können sie sich frei nehmen Greg,“ sagte Tara „ Ich habe noch ein Meeting im Hause und wir sehen uns dann
übermorgen.“ „ Sie wollen den Fall ohne mich lösen ?“ fragte Greg überrascht und tat verwundert. „ Keine Sorge, wo sie
doch jetzt schon so etwas wie mein Partner sind,“ sagte sie, „ Nein, nur morgen muss ich allein unterwegs sein, um den
Käse in der Stadt zu platzieren.“ „ Den Käse ?“ fragte Greg.
„ Schon vergessen, Greg, das Katze und Maus Spiel.“ „ Ich verstehe, sie wollen eine Mausefalle aufstellen.“
„So etwas in der Art,“ lächelte Tara ihn an. „ Ich gehe davon aus, dass man mich verfolgen wird, und dass machen wir uns
zunutze.“ Mehr wollte sie Greg im Augenblick nicht mitteilen.
Am nächste Morgen ging sie wie gewöhnlich ins Büro und verließ das Gebäude eine Stunde danach. Sie ging zügig durch
die Strassen, als hätte sie ein Ziel. Der Plan war, durch mehrere Agenten mit versteckten Kameras, sie auf ihren Weg zu
filmen. Wenn jemand ihr folgen würde, dürfte der Verfolger nicht zu weit hinter ihr gehen, wollte er sie nicht verlieren.
Der Weg war mit den Agenten genau abgesprochen.
Aus ihrer Sicht fiel ihr niemand mit einer Kamera auf, bis auf einige Touristen, aber die waren mehr an den
Sehenswürdigkeiten interessiert. Gute Arbeit, dachte sie sich.
Um nicht wahllos durch die Gegend zu laufen, denn dass würde auffallen, nahm sie den Weg zum Hospital. Sie wechselte
zweimal die Subway, denn die Ein-und Ausgänge sowie die Rolltreppen waren optimal für eine Observierung.
An der Clinic angekommen, nutzte sie die Gelegenheit um Dr. Harris zu besuchen, nur war dieser gerade auf einem
Seminar, was sie nicht weiter störte.
Es sollte aussehen, als wäre der Besuch wichtig. Es gehörte zu ihrem Plan.
34
„ Es ist meine Schuld,“ sagte Michail, er hatte seinen Kopf in seinen Händen vergraben,

und weinte bitterlich. Sie saßen im Gras an einem kleinen See und Vera hatte ihren Arm um ihn gelegt. „ Nein Michail, er ist
im Hospital gestorben, es ist nicht deine Schuld.“
„ Ich war der Pilot und somit für Oleg verantwortlich.“ Vera hatte das Gefühl besser nicht
weiter zu sprechen, er brauchte Zeit um den Tod seines Freundes zu verarbeiten.
„Warum nur, was ist geschehen? Ich …“ Michail fing erneut an zu weinen.
„ Ich möchte den Russen sprechen, möglich das er mir weiter helfen kann,“ schluchzte
Michail. „ Glaubst du, dass es eine gute Idee ist, ich traue diesem Mann nicht. Sprich lieber mit der Frau vom F.B.I ,“
versuchte Vera ihn zu überreden. „ Er ist Russe und ich bin Russe,“ gab er ihr zu verstehen. „ Er ist kein Russe, er sagte er
wäre im Auftrag der Russen hier,“ gab Vera ihm zu bedenken. „ Sei mir nicht böse, aber ich vertraue Russen mehr, als den
Amerikanern. Ich möchte den Mann sprechen, bitte versteh mich, es ist für mich eine Möglichkeit herauszufinden was mit
mir geschehen ist. Und mit Oleg,“ fügte er noch hinzu. „ Michail, der Arzt sagte mir, dass du an einem Gedächtnisschwund
leiden würdest. Er sagte auch, dass eine Therapie dir helfen könnte, dich wieder an alles zu erinnern .“
Es war für Vera der Augenblick, ihm alles über seine Amnesie zu erzählen. „ Michail, da ist noch etwas,“ sie suchte nach
den richtigen Worten, in der Hoffnung ihn nicht noch mehr zu verwirren. „ Wir schreiben das Jahr 2018.“ Für einen Moment
glaubte sie, er hätte sie nicht richtig verstanden, doch dann antwortete er ganz sachlich: „ Ich weiß.“ „ Du weißt es ?“ Jetzt
war Vera völlig verwirrt. „ Woher ?“ fragte sie ungläubig. „ Ich kann lesen,“ gab er ihr zu verstehen. „ Aber warum hast du
es nie angesprochen, wenn du es doch wußtest?“ Michail ließ sich etwas zeit mit seiner Antwort, und sah sie an. „ Ich weiß
es nicht, ist es nicht schon schlimm genug, dass ihr mich alle für verrückt haltet.“ „ Du bist nicht verrückt, ein
Gedächtnisschwund hat nichts mit Verrücktheit zu tun,“ versuchte sie ihn zu beruhigen. „ Aber wenn du möchtest, werde
ich den Mann kontaktieren und ihr könnt euch unterhalten.“ Sie saßen für eine Weile eng umschlungen, und jeder ging
seinen Gedanken nach.. „ Was würde dir jetzt gut tun ?“ fragte sie ihn, um die Situation etwas zu entspannen. „ Einen
Wodka trinken.“ „Das ist vielleicht eine gute Idee,“ sagte Vera darauf. „ Komm, lass uns in eine Bar gehen.“
„ Ich möchte jetzt nicht unter Leuten sein, lass uns zu dir gehen.“ Stunden später waren sie beide eng umschlungen
eingeschlafen. Auf dem Tisch stand eine leere Wodka Flasche.
35
„ Wir haben drei Treffer,“ sagte der Agent, welcher mit Tara vor einem Monitor saß, und sich mit ihr die Aufnahmen von der
Überwachung ansah.
„ Leider trug er Hut und Sonnenbrille, nicht ungewöhnlich im Stadtbild. Das wird uns nicht viel bringen bei einer
Gesichtserkennung.“ „Versuchen sie es trotzdem,“ sagte Tara, obwohl auch sie keine große Hoffnung hatte. „Ok,“ meinte
der Agent und verabschiedete sich.
Tara schaute sich die Aufnahmen noch einmal in aller Ruhe an. Die Bilder waren in sehr guter Qualität. Man würde mit
einen Ausdruck die Hotels aufsuchen. Möglich, dass der Mann in diesem Aufzug dort gesehen wurde. Eine ansehnliche
Erscheinung, dachte Tara
für sich. Mit dem Bild würde sie noch einmal die Frau, welche sich Vera nannte, aufsuchen. Diese Frau ist der Schlüssel auf
ihrer Suche nach dem Piloten, davon war Tara überzeugt.
Sie war noch mit den Bildern beschäftigt, als ihr Mobile Phone sich meldete.
Mit diesem Anruf hatte sie nicht gerechnet, war aber sofort voll konzentriert.
36
„ Es freut mich, dass der Pilot mich treffen möchte,“ sagte der Mann, welcher sich Durand nannte, „ nur von einem Treffen
an einem öffentlichen Ort möchte ich abraten, gut möglich, dass wir vom F.B.I beobachtet werden, und das kann nicht im
Sinne ihres Freundes sein. Er ist doch ihr Freund, richtig.“ „ Das gehört nicht zur Sache,“ sagte Vera.
„ Lassen sie uns an einem Ort treffen, an dem wir ungestört sind, ich würde vorschlagen wir treffen uns in ihrer Kirche. Sie
haben doch sicherlich Zugang zur Kirche, denke ich.“
Ein vertrautes Umfeld, dachte Vera. Warum nicht, was konnte in einer Kirche schon groß passieren. „ Sagen wir morgen um
22 Uhr, da sollten wir ungestört sein.“ Seine Stimme klang freundlich, aber dennoch hatte Vera ein ungutes Gefühl, wenn
sie es auch nicht benennen konnte. Es war Michails Wunsch den Mann zu treffen und dem wollte sie sich fügen. „ Wir
werden um 22 Uhr dort sein.“ sagte sie kurz und legte auf.
Das war leichter als Durand gedacht hatte, und darauf gönnte er sich einen Gin Tonic aus der Mini Bar.
37
„ Ich glaube, dass ich bald den Fall mit dem russischen Piloten abschließen kann,“ sagte Tara zu ihrem Bruder Andrew, mit
dem sie telefonierte. „ Das freut mich für dich, aber dass ist doch nicht der Grund warum du mich anrufst, liebe
Schwester.“
„ Nein,“ sagte Tara „ Ich brauche deine Hilfe und würde dich gerne treffen.“
„ Wann?“ fragte Andrew. „ Heute,“ gab ihm Tara kurz und bündig zur Antwort.
Danach wählte sie die Nummer von Greg, den sie fast vergessen hatte und teilte ihm mit,
dass sie ihn in den nächsten Tagen nicht brauchen würde, sie sich aber meldet,
sobald sie seine Hilfe benötigen würde. Greg nahm dieses mit Bedauern zur Kenntnis,
und wünschte ihr gutes Gelingen. „ Ich halte sie auf dem Laufenden, wo sie doch schon so etwas wie mein Partner sind.“
Sie merkte, dass er enttäuscht war, aber was sie nun vor hatte war etwas für ausgebildete Agenten.

38
Als Tara die Bar betrat, sie hatte einen Treffpunkt in der Nähe von Andrews Wohnung gewählt, war sie überrascht, auch
ihren Bruder Daniel dort sitzen zu sehen.
Die beiden hatten einen Platz in einer Ecke der Bar gewählt. Tara umarmte beide zur Begrüßung
und nahm an dem Tisch platz.
„Was führt dich hierher ?“ fragte sie Daniel. „ Ich bin sein Rechtsbestand,“ gab er ihr lächelnd als Antwort.
„ Soll mir recht sein, solange Mutter nicht auch hier aufkreuzt.“
„Worum geht es,Tara ?“ fragte Andrew. „ Ich brauche einen Piloten.“ gab sie ihm kurz als Antwort,
als wäre es das Selbstverständlichste von der Welt.
Als die Bedienung an ihren Tisch kam, bestellte sie sich einen Tee. Worauf die Bedienung
etwas pikiert die Bestellung entgegen nahm. „ Tara wir sind in einer Bar,“ gab Daniel ihr zu verstehen.
Sie ging nicht weiter auf seine Bemerkung ein und sagte zu Andrew: „ Es geht darum, den Piloten zu seiner Basis zu
fliegen.“ „ Und wo liegt diese Basis ?“ fragte Andrew, obwohl ihm klar war, dass seine Schwester von Russland sprach.
„ Nur einmal über die Beringsee und wieder zurück.“ Die Brüder schauten sie an, als hätte sie zum Mond gesagt.
„ Vergiss es, das ist nicht möglich, man kann nicht einfach so in den russischen Luftraum einfliegen und so tun als wäre
man auf einer Sightseeing Tour.“ Andrew schüttelte seinen Kopf und nahm einen kräftigen Schluck aus seinem Glas.
„ Ich sag ja auch nicht, dass es einfach sein würde.“ Die Bedienung stellte den Tee auf den Tisch und sagte:
„ Das Gebäck ist leider aus.“ Tara ging nicht weiter auf diese Bemerkung ein.
„ Kann man die Sache in der Nacht durchziehen ?“ „ Weder in der Nacht, noch am Tag.“ gab Andrew ihr zu verstehen.
„ In der Nacht ist es dort oben schwarz wie..“ Andrew suchte nach Worten um seiner Schwester zu erklären,
dass man dort nichts sehen könnte, nicht einmal die Hand vor Augen. „ Wir würden gegen einen Berg knallen,
ohne zu wissen, dass dort überhaupt ein Berg ist. Null Sicht, und von einer Landung ganz zu schweigen.
Wir würden eine Crash Landung hinlegen und nicht wieder von dort weg kommen.“
„ Tara, das ist ein Himmelfahrtskommando,“ gab Daniel ihr zu verstehen.
„ Ok, verstehe, dann machen wir es am Tag,“ sagte Tara, als wäre die Sache damit geklärt.
„ Tara, du verstehst nicht, ich werde dich nicht dorthin fliegen.“ „Und ich werde euch nicht heraus bekommen,
wenn man euch dort gefangen nimmt.“ sagte Daniel.
„ Und wo bitte willst du einen Helikopter besorgen, du glaubst doch wohl nicht, dass ich einen von unserer Firma ausleihen
kann, um mal eben einen Abstecher nach Russland zu unternehmen.“ Andrew merkte, dass er etwas laut wurde,
und fügte leiser hinzu, „ Tara, ich würde alles für dich tun, aber das ist zu viel des Guten.“
„ Um den Helikopter mach dir keine Sorgen, den besorge ich,“ beruhigte Tara ihren Bruder. Andrew merkte, dass er mit
seinen Argumenten am Ende war.
„ Und wann soll es losgehen,“ fragte er resigniert. „ Sobald ich den Piloten gefunden habe, was in den nächsten Tagen sein
wird. “
„ Und, wie läuft es bei dir so ?“ fragte sie Daniel. Für Tara war die Sache mit dem Flug nach Russland nun abgemacht. Die
Brüder schwiegen und ihnen war klar, dass Tara wieder einmal ihren Kopf durchgesetzt hatte.
39
Aussen lag die Kirche in der Dunkelheit. Innen wurde sie erhellt von Kerzen.
Michail und Vera saßen auf einer der Bänke und warteten. Nichts störte die Ruhe.
Als nach einer viertel Stunde der Mann immer noch nicht erschienen war,
schlug Vera vor zu gehen, aber Michail beruhigte sie, er werde schon kommen.
Eine dunkle Gestalt kam aus Richtung des Altars und ging auf die beiden zu.
Vera erkannte den Mann, und sagte „ Wie sind sie hier herein gekommen?“
Durand ignorierte die Frage, und setzte sich Michail gegenüber.
„ Es gibt keine russische Pilotenvereinigung,“ sagte Michail bestimmt.
„ So wie es keine Sowjetunion mehr gibt,“ gab ihm Durand zu verstehen.
„ Ich habe ein Problem, und das Problem sind sie. Und das letzte was wir gebrauchen, sind Probleme. Haben sie mich
verstanden, Pilot?“ fügte Durand hin zu.
Vera erkannte den Mann nicht wieder, er kam ihr plötzlich kalt und feindlich vor.
„ Mein Auftrag ist, Probleme aus der Welt zu schaffen, und ich wende in so einem Fall, zwei Möglichkeiten an. Punkt eins,
sie erklären mir, den Grund für ihre Landung in Chicago. Haben sie mich soweit verstanden, Pilot?“
„ Michail, er heißt Michail !“ sagte Vera in einem scharfen Ton.
Durand schloß für einen Moment seine Augen, die Frau nervte ihn.
Michail wurde unsicher und schaute Vera an. „ Sie kennen doch die Umstände,
was soll er ihnen denn noch dazu sagen.“ „ Ich möchte es von ihm hören,“ wobei er nur Michail ansah. „ Ich warte.“
„ Ich habe keine Erklärung, warum wir hier gelandet sind,“ sagte Michail. In seiner Stimme klang Verzweiflung.
„Sie sagten, sie wollten ihm helfen, ihn wieder nach Hause bringen. Komm Michail, lass uns gehen.“ Wobei sie aufstand,
und nach Michails Hand griff.
In diesem Augenblick stieß Durand sie unsanft wieder auf die Bank und richtete seinen Blick wieder auf Michail.
„ Lügen sie mich an, Michail ? Denn in diesem Fall kommen wir zu Punkt zwei.“
Wobei Durand seine Waffe auf Michail richtete.
„Und ich garantiere ihnen, dass ich heute das Problem lösen werde. Ich höre Michail !“

Durand hob seine Pistole und richtete sie nun auf Michails Kopf. Michail schaute flehend zu Vera, aber sie saß in völliger
Schockstarre. Dann entsicherte Durant seine Waffe.
Die absolute Sille in der Kirche, unterbrochen von dem metallischen Geräusch,
war wie eine Stimmung kurz vor einem Startschuss. Einen Bruchteil später, klang es durch die Kirche : „ Er kann ihnen
nichts sagen ! F.B.I Nehmen sie die Waffe runter und legen sie sie auf den Boden. Langsam. Ich möchte ihre Hände
sehen !“
Agent Taylor stand hinter ihm und Durand hatte schlechte Karten.
„ Die Waffe, nehmen sie die Waffe runter, noch ist nichts geschehen, aber legen sie sie auf den Boden und drehen sie sich
langsam um.“ Während Durand seine Optionen durchdachte, sagte er mit ruhiger Stimme: „ Agent Taylor, liege ich da
richtig ?“
„ Sie liegen richtig, doch nun bitte die Waffe runter.“
Er hätte die Möglichkeit eine Geisel zu nehmen, aber was sollte er mit einer Geisel, es gäbe kaum eine Möglichkeit aus
Chicago zu entkommen.
Langsam senkte er die Pistole und legte sie neben sich auf den Boden.
Mit seinem Fuß schob er sie von sich weg. „ Gut so und nun die Hände auf den Rücken.“ Vorsichtig und immer noch in
gebückter Haltung, kam Tara hinter einer Säule am Eingang zur Kirche hervor und ging dann mit gezogener Waffe auf
Durand zu. Zwei Agents waren mit ihr. Auch sie hatten Waffen in ihren Händen. Rasch legten die Agent Durand
Handschellen an und nahmen ihn in ihre Mitte. Als man ihn umdrehte, und er Tara sah, lächelte er ihr zu. Mehr nicht.
Vera und Michail hielten sich in den Armen und beide versuchten dem anderen klar zu machen, dass nun alles gut sei.
„ Ins Präsidium Agent Taylor?“ fragte einer der Agents. „Nein, sie bringen diesen Mann
zum Airport und setzen ihn in die nächste Maschine nach Moskau. Sie sind beide dafür verantwortlich, dass dieser Mann
die Vereinigten Staaten verlässt. Sie bleiben so lange bei ihm bis die Maschine abgehoben hat. Ist das verstanden ?“ „ Ist
verstanden.“ bestätigte der Agent.
Es herrschte allgemeine Verwunderung über diese Anordnung, aber jeder wusste, dass
Agent Taylor hier die Leitung in diesem Fall hatte. Es war ihre Entscheidung.
Das Letzte was Tara wollte, war die State Police hier zu haben oder gar ein SWAT Team.
Als Durand auf ihrer Höhe war, fragte sie ihn leise, so das Michail und Vera es nicht
hören konnten: „ Hätten sie auf den Piloten geschossen ?“ „ Das würden wir wissen, wenn sie uns nicht unterbrochen
hätten,“ gab er ihr lächelnd als Antwort.
Beim Hinausgehen meinte er noch zu ihr: „Vielleicht sieht man sich mal wieder, unter besseren Umständen, Agent Taylor.“ „
Haben sie einen angenehmen Flug, und teilen sie Moskau mit, der Fall hätte sich erledigt.“
„ Sie haben mir das Leben gerettet, Agent Taylor,“ bedankte sich Michail.
„ Nein danken sie nicht mir, Vera hat ihnen das Leben gerettet.“ Er schaute Vera verwundert an und sie nahm ihn fest in ihre
Arme. „ Ich hatte ein ungutes Gefühl bei diesem Mann, und hatte Agent Taylor von diesem Treffen erzählt.
Sei mir nicht böse, Michail.“
Er strich ihr eine Strähne aus ihrem Gesicht und gab ihr einen Kuss.
„ Sie sind in Sicherheit Michail. Ich bringe sie für heute Nacht in ein Hotel, und morgen
werden wir gemeinsam frühstücken und alles weitere besprechen. Draussen wartet ein Wagen für uns.“ Während die
beiden zum Ausgang gingen, hob Tara die Waffe von Durand auf um sie zu entladen. Sie nahm das Magazin aus der
Pistole,
und stellte erstaunt fest, das sie nicht geladen war. Sie brauchte einen Moment,
und dachte, ja, vielleicht unter besseren Umständen. Dann verließ auch sie die Kirche.
„Agent Taylor, schön sie mal wieder fahren zu dürfen,“ sagte der Fahrer.
„Es freut mich auch. Bitte fahren sie uns zum Park Hotel.“ „ Ohne Blaulicht, richtig ?“
fragte der Fahrer und startete den Motor. Er fuhr so zart an, dass Tara sich sofort entspannte. Michail und Vera saßen im
Fond und waren fest umschlungen. Auch ihnen merkte man an, dass sie sich langsam entspannten. Sie schienen sehr
glücklich zu sein.
„ Ist es möglich, dass ich bei Michail bleiben darf ?“ fragte Vera.
„ Es stehen Champagner und Wodka auf dem Zimmer, dass wollen sie sich doch wohl
nicht entgehen lassen. Zudem gibt es einen Room Service. Das Club Sandwich soll sehr gut sein.“ Als der Wagen vor dem
Park Hotel ankam, wurden ihnen die Türen geöffnet und Tara ging mit den beiden die Treppen zum Hotel hinauf. „ Warten
sie bitte auf mich, ich bin gleich zurück.“ sagte sie dem Fahrer. Tara regelte alles an der Rezeption und verabschiedete sich
von den beiden. „ Ohne Bewachung ?“ fragte Michail erstaunt.
„ Sie haben die beste Bewachung bei sich,“ lächelte Tara und ging zum Fahrzeug.
40
Als Tara am nächsten Morgen mit Greg ins Hotel kam, saßen Vera und Michail bereits
im Frühstücksraum. Sie stellte Greg vor und fragte ob die beiden eine angenehme Nacht
gehabt hätten. „ Wir wissen immer noch nicht, wie wir ihnen danken können,“ sagte Vera.
Tara winkte ab. „ Nun lassen sie uns erst einmal frühstücken, danach werde wir das weitere Vorgehen besprechen.“ Greg
und Michail unterhielten sich auf russisch, und Tara hatte das Gefühl, dass Michail von dem gestrigen Abend erzählte.

Vera konnte nicht warten bis nach dem Frühstück, und fragte Tara, ohne dass die Männer es mitbekamen: „ Sie wollen
Michail zurück bringen, nach Russland, richtig ?“
„ So ist der Plan,“ antwortete Tara, „ und nicht nur ihn, sondern auch Oleg.“
Vera schaute auf ihren Teller, und sagte nach einer Weile, „ Und was ist wenn er dort bleiben möchte ?“ Tara schaute Vera
in die Augen und sagte: “ Und was ist wenn er wieder kommen möchte ?“ „ Dann wäre ich der glücklichste Mensch auf
Erden.“
Wobei Ihre Augen feucht wurden.
41
Henry Nolan von Homeland Security und Tara kannten sich persönlich und waren gute Freunde. Sie saßen in seinem Büro
und man hätte glauben können, dass Vater und Tochter hier zusammen sitzen, um Familienangelegenheiten zu
besprechen.
„ Tara, ich bewundere ihre Vorgehensweise in diesem Fall. Ehrlich, aber was sie nun von mir verlangen, ist nicht möglich.
Ich kann unmöglich einen unserer Männer mit ihnen nach Russland schicken. Das würde einen internationalen Konflikt
heraufbeschwören, sollten sie scheitern mit ihrem Vorhaben.“ Er schaute sie an, als hätte ein Vater seiner Tochter,
das Ausgehen mit ihrem Freund verboten.
„ Ich habe einen Piloten, Henry. Alles was ich brauche ist ein Helikopter, und den nur für ein paar Stunden.“ „ Verstehen sie
doch, ein amerikanischer Helikopter auf russischem Boden, würde einen Ernstfall auslösen.“ Er schüttelte leicht seinen
Kopf und suchte offenbar nach eine Lösung um Tara von ihrem Vorhaben abzubringen.
Tara zeigte keine Regung, und er nahm daraus, dass es wohl unmöglich sei, sie davon abzubringen. „ Nehmen wir einmal
an es gäbe in Alaska einen Helikopter, ohne Kennung,
dass dieser nicht zurück zu verfolgen wäre auf eine amerikanische Behörde wie der Unsrigen, so dürften sie nichts bei sich
tragen, was auf uns zurück zu führen wäre.
Keine Papiere, keine Waffe, gar nichts, ausser ihrer Kleidung. Und die sollte besser in Alaska gekauft sein,“ gab er ihr zu
bedenken. „ Niemand würde über ihre Existenz wissen.
Ich schon mal garnicht. Warum ist es ihnen so wichtig, den Mann selbst zurück zu bringen. Warum setzen sie ihn nicht
einfach in eine Maschine nach Moskau und gut ist ?“
„ Der Mann hat keine Papiere und niemand kennt ihn in Moskau, was glauben sie würde mit ihm geschehen. Glauben sie
mir, die Geschichte ist kompliziert und es ist meine Aufgabe, denn Fall zu Ende zu bringen. Alles worum ich bitte ist ein
Helikopter.“
Henry Nolan wog alle Möglichkeiten in seinem Kopf ab, und sagte dann : „ Der Wales Airport in Alaska ist der letzte
Flughafen an der Beringsee. Ich werde sehen ob ich einen Helikopter für sie auftreiben kann. Geben sie mir etwas Zeit.
Versprechen kann ich nichts,“ gab er resigniert als Antwort. „ Und dieses Gespräch hat nie stattgefunden.“
„ Sie sind mein Held,“ sagte Tara mit einem Lächeln und verabschiedete sich. An der Tür drehte sie sich noch einmal zu
ihm um. „ Und die Sache mit einer neuen Identität, falls ich den Mann wieder zurück in die USA bringe, geht in
Ordnung ?“„Eins nach dem anderen, eins nach dem anderen,“ gab er Tara zu verstehen.
Auf was hatte er sich nur eingelassen. Aber er bewunderte diese Frau.
„ Ich weiß, es klingt nach einem Klischee aus einem schlechten Film, aber bitte passen sie auf sich auf Tara.“ Nachdem
Tara das Büro verlassen hatte, nahm er den Hörer und ließ seine Beziehungen spielen.
42
Später in Taras Büro, stand sie mit ihrem Bruder Andrew über eine Karte gebeugt, und sie besprachen die Route. „ Um
welchen Typ von Helikopter handelt es sich ?“ fragte Andrew. „ Das kann ich noch nicht sagen, wahrscheinlich werden wir
es wissen wenn wir vor ihm stehen. Warum, ist nicht einer wie der andere ?“ fragte sie ihn. Andrew verdrehte die Augen.
„ Wer wird mitfliegen, wie viel Personen ?“ „ Du, Michail und Ich, sowie eine Urne.“ „ Und mit den Koordinaten seid ihr
euch sicher ?“ fragte Andrew nach, denn das letzte was er wollte, war langes Suchen. „ Wann soll es losgehen ?“ „ Sobald
ich das Ok für den Helikopter habe. Nach Alaska werden wir mit Linie fliegen, einen F.B.I Jet werde ich nicht anfordern,
dass würde zu viele Fragen aufwerfen,“ gab sie Andrew zu verstehen.
Drei Tage später, erhielt Tara das Ok für den Helikopter, und am nächsten Tag sollte es losgehen. Es würde zwei
Zwischenstops benötigen, bis sie in Wales Alaska landen
würden. Eine Nacht im Hotel, wobei es eine kurze Nacht werden würde, da sie früh fliegen wollten. Vorausgesetzt, das
Wetter würde mitspielen. Das konnte nur Andrew entscheiden.
43
Der Flug sollte am Nachmittag starten, und alle Beteiligten hatten sich eingefunden.
Auch Vera war mit zum Flughafen gekommen, und stand etwas abseits mit Michail,
um sich von ihm zu verabschieden. Was gesprochen wurde konnte man nur erahnen,
da beide Tränen in den Augen hatten. Tara hatte die Ausreise und die eventuelle Einreise
von Michail, über das F.B.I geregelt.
Vera schaute den Dreien lange nach, bis sie in den Gängen des Flughafens verschwanden. Danach setzte sie sich auf eine
Bank in der Nähe und begann zu weinen.

Um nicht vor den Menschen im Flughafen zu weinen, nahm sie ihre Hände vor das Gesicht. Vera war völlig aufgelöst und
unfähig aufzustehen und zu gehen.
Als plötzlich eine Stimme sie ansprach. „ Kann ich ihnen helfen ?“
Vor ihr stand Greg und bot seine Hilfe an. „ Ich fahre sie nach Hause, oder wo immer sie hin möchten. Hier können wir
nichts mehr tun.“ Vera schaute ihn an und war sichtlich froh
ihn zu sehen. Sie wischte sich die Tränen ab und sagte zu ihm. „ Michail würde sich für einen Wodka entscheiden.“ Wobei
sie sich ein Lächeln abrang.
Obwohl Alkohol für Greg normalerweise nicht in Frage kommt, sollte er heute seine Gewohnheit ändern. Tara’s Auftrag für
Greg hieß, alles für Vera zu tun was nötig sei ,
um ihr den Abschied zu erleichtern. Bei Russen bleibt es nicht bei einem Wodka, das wusste er. Auch nicht bei Ukrainern.
Am Ende brachte Vera Greg nach Hause.
44
Andrew hatte einen Kopfhörer auf, und sah sich einen Film an.
Tara und Michail saßen eine Reihe hinter ihm. Ihre erste Etappe
nach Anchorage würde die längste sein. Danach zwei kurze Flüge
und sie wären in Wales Alaska. Dort würde ein Helikopter für sie bereit stehen.
Michail interessierte alles auf diesem Flug, alles war neu für ihn.
Nach dem gereichten Essen sagte er zu Tara : „ Ich liebe Amerika.“
Tara lächelte ihn an und fragte sich, wie er wohl die Situation aufnehmen würde,
wenn sie zu seinem ehemaligen Stützpunkt kommen würden.
Wenn es denn sein Stützpunkt wäre. Bis dahin vermied sie jedes Gespräch darüber.
Die Diomedes Inseln, welche in der Beringsee zwischen Alaska und Russland liegen,
wollte Andrew weiträumig umfliegen, um dort nicht aufzufallen.
Tara verdrängte die Vorstellung, dass man sie entdecken würde. Sie lehnte sich zurück
und versuchte etwas zu schlafen. Aber der Schlaf wollte sich nicht wirklich einstellen.
Als sie mit der kleinen Piper endlich in Wales ankamen, erkundigten
sie sich nach dem bereitgestellten Helikopter. Nachdem Andrew das Fluggerät inspiziert
und für gut befunden hatte, gingen sie in ihr Hotel für diese Nacht.
Den Weckdienst hatten sie für 4 Uhr morgens bestellt.
Tara hatte vor dem Abflug sichergestellt, dass nichts auf ihre Identität hinweisen konnte.
Das Wetter war gut, sodass sie bei Tagesanbruch starten konnten.
Michail hatte neben Andrew Platz genommen und Tara saß hinter ihnen.
Nachdem sie ohne Schwierigkeiten die Beringsee überflogen hatten, ging Andrew in einen Tiefflug über, um so unter dem
Radar zu bleiben.
Andrew konzentrierte sich auf die Koordinaten, und schaute hin und wieder
auf die Landschaft unter ihnen. Von Zivilisation war nichts zu sehen. Die Stille dieser Landschaft wurde nur gestört durch
die Rotorblätter des Helikopters.
Nach einem Flug von 15 Minuten über russischem Boden deutete Andrew an, dass sie sich über der Stelle befanden,
welche den Koordinaten entsprach.
Tara deutete ihm an, er möge hier landen. Andrew hatte Glück und fand eine Lichtung
nahe der vorgesehenen Position. Sanft setzte er den Helikopter auf, und schaltete sofort den Motor aus. Michail zeigte
sofort die Richtung an, in welche sie gehen sollten.
Andrew hielt es für sicherer beim Helikopter zu bleiben. Er gab Tara eine kleine Trillerpfeife, und versicherte ihr, dass er
sofort den Motor starten würde, sollte er die Pfeife hören. Die ganze Aktion dürfe nicht länger als 30 Minuten dauern, und
darauf bestand er. Michail hielt die Urne fest in seinen Händen und gab Tara ein Handzeichen, dass sie ihm folgen sollte.
Gesprochen wurde nichts.
Sie mußten nicht weit gehen, als Michail stehen blieb. Tara erkannte sofort, dass es sich um die Stelle handelte, welche sie
auf den Satellitenbildern gesehen hatte.
Von Büschen und Unkraut überwachsen, zeigte sich eine lange Strecke von Beton.
Ihr war sofort klar, dass es sich um eine Start und Landebahn handeln würde, schon allein wegen der Länge. Am Ende der
Piste konnte man einen flachen Bau erkennen, groß genug, um ein Flugzeug aufzunehmen. Auch das Gebäude war völlig
überwachsen.
Michail stand mit der Urne wie angewachsen und starrte ungläubig auf das Gelände.
Tara ließ ihm Zeit das Ganze zu verarbeiten. Als Michail Tara fragend anschaute, sagte sie leise : „ Ist das ihre Basis ?
Erkennen sie etwas wieder ?“ Er gab ihr keine Antwort, sondern schaute ungläubig auf das Areal. Die Ruhe wurde jäh
unterbrochen, als hinter ihnen jemand auf russisch rief: „ Nehmen sie die Hände hoch.“Michail und Tara drehten sich um,
und sahen einen älteren Mann mit einem Gewehr aus den Büschen kommen. Michail reagierte sofort und rief ihm auf
russisch zu, dass er bitte nicht schießen solle. Sie hätten friedliche Absichten und wären nicht bewaffnet.
Beide hatten ihre Hände erhoben.
Der Mann kam mit dem Gewehr im Anschlag auf sie zu und blieb zwei Meter vor ihnen stehen. Er schaute ungläubig auf
Michail und sagte: „ Michail ?“ Auch Michail sah sich den Mann genau an und sagte: „ Juri ?“ Beide erkannten sich und
standen sich ungläubig gegenüber. Der Mann nahm seine Waffe runter und ließ sie auf den Boden gleiten. Michail stellte
vorsichtig die Urne ab, und beide umarmten sich fest und lange.

Als sie sich von einander lösten, hatte Juri feuchte Augen.
„ Wir hatten geglaubt ihr wäret abgestürzt. Und nun stehst du hier.“ Er wollte es nicht
wahr haben und schüttelte seinen Kopf. „ Und Oleg ?“ fragte er.
Michail nahm die Urne und hob sie auf. Juri schaute auf die Urne und verstand.
Immer wieder schaute er sich das jugendliche Gesicht von Michail an.
„ Was ist hier mit euch geschehen, Juri ?“ „ Wir haben nach euch gesucht, aber ohne Erfolg. Für uns wart ihr tot.“ Michail
nahm seinen alten Freund in die Arme und hielt ihn gedrückt. „ Es ist schön, dass ich dich gefunden habe. Aber was ist mit
den Anderen ?“
„ Nach dem Verlust der Tupolev flog keine Maschine mehr von diesem Stützpunkt.
Als sich ein Jahr später die Sowjetunion auflöste, hat man diese Basis aufgegeben.“
Michail blickte umher, und langsam kam die Erinnerung zurück.
Juri war sein Mechaniker, er kannte sich mit der Tupolev besser aus, als irgendjemand
auf dem Stützpunkt. Nun stand sein Freund vor ihm und war gealtert, wie alles um ihn herum. „ Die meisten haben den
Stützpunkt verlassen, ich bin hier geblieben, habe geheiratet und lebe mit meiner Frau in einem Dorf in der Nähe.“
Tara stand etwas abseits der Beiden, um den Männern Raum zu lassen. Verstehen konnte
sie sowieso nichts, da russisch gesprochen wurde. Aber man musste auch nichts verstehen bei diesem Wiedersehen
zweier Freunde.
Ob Michail hierbleiben oder in die USA zurückkehren würde, diese Entscheidung lag allein bei ihm.
45
Greg saß am Küchentisch mit Vera und Isabella. Sie warteten auf eine Nachricht von Tara.
Laut Greg sollten sie schon wieder auf dem Rückweg sein, wenn alles gut gelaufen wäre.
Die einzige Frage in diesem Augenblick war, mit Michail oder ohne ihn.
Als das Handy von Greg läutete, wurde es in der Küche sehr ruhig. Greg nahm das Telefon, meldete sich und hörte zu.
Nach kurzer Zeit
legte er auf. Vera schaute ihn verängstigt und fragend an.
„ Sie besteigen grad die Maschine in Anchorage,“ gab Greg mit Erleichterung bekannt.
„ Und Michail ?“ fragte Vera vorsichtig. „ Er ist bei ihnen.“
Kaum hatte er es ausgesprochen, begann ein Jubel, und die Frauen führten einen Freudentanz um den Küchentisch auf.
Greg nahmen sie bei der Hand und er sah sich mit den Frauen in dem Jubel vereint. Vera liefen die Tränen übers Gesicht,
nur waren es diesmal Freudentränen. „ Wir müssen zum Flughafen,“ schrie Vera und war völlig ausser sich. „ Vera, ihr Flug
dauert 6 Stunden bis Chicago,“ versuchte Greg sie zu beruhigen.
„ Greg !“ sagte sie in einem ernsten Ton, als gäbe es nichts wichtigeres als sofort zum Flughafen zu fahren.
Ihm war klar, dass er keine andere Möglichkeit hatte, als mit den Frauen umgehend
zu fahren. Die 6 Stunden Wartezeit würde er schon überstehen.
46
Isabella hatte einen gesunden Appetit als sie im Flughafen Restaurant saßen, nur Vera
war zu aufgeregt um etwas zu essen. In einer Stunde sollte die Maschine mit den Dreien
landen. Greg entschuldigte sich und kam nach einer kurzen Zeit wieder zu ihnen an den Tisch. Bei ihm war John Berry,
welcher die Frauen begrüßte.
„ Darf ich vorstellen, John Berry, Leiter der Flugsicherung hier am Flughafen, und er hat eine Überraschung für sie Vera,“
sagte Greg.
„ Ich würde sie gern zu mir in den Tower einladen, von wo aus sie die Landung ihrer Freunde bestens verfolgen können,“
bot John Berry Vera an.
„ Mr. Berry hat die Landung der Tupolev als erster verfolgt, und wird nun Michails zweite Landung hier in Chicago
persönlich überwachen.“ Greg war stolz dieses ermöglicht zu haben. „ Isabella und ich werde am Ausgang auf sie warten.“
Vera fühlte sich geschmeichelt und nahm die Einladung dankend an.
Greg und Isabella winkten Vera zu, als sie mit dem Leiter der Flugsicherung das Restaurant verließen. Im Tower durfte sie
neben John Berry sitzen, und war Zeuge wie er die Landung einleitete. Als die Maschine aufsetzte und ausrollte versuchte
Vera ihre Tränen zu verbergen. John Berry nahm sie tröstend in die Arme, und fast wären auch ihm
Tränen gekommen. Das Wiedersehen war unbeschreiblich. Vera bedankte sich bei Tara und Andrew von ganzem Herzen,
was zu einem erneuten Tränenausbruch führte.
Eine Woche später trafen sich alle in einem russischem Restaurant. Greg hatte es ausgesucht, da es über ein Séparée
verfügte, wo man ungestört war.
Michail, der nun Michael hieß, unterhielt sich angeregt mit Andrew über das Fliegen mit Überschallgeschwindigkeit. Sein
neuer Nachname wird aus verständlichen Gründen hier nicht genannt. Bob unterhielt sich mit Vera, die die Hand von
Michael
fest umklammert hielt. Greg dankte Tara überschwänglich, dass sie sich für seine Ausbildung beim F.B.I eingesetzt hatte.
Man hätte meinen können, dass es sich bei dieser Gesellschaft um eine kleine Betriebsfeier handeln könnte. Aber hier saß
eine kleine Ansammlung von Menschen welche ein Geheimnis verband.

Isabella saß zwischen Vera und Tara und war zu später Stunde gemütlich am Tisch eingeschlafen. Es wurde bis spät in die
Nacht gefeiert.
47
Ein paar Wochen später konnte man in der Chicago Star lesen, dass die russische Regierung dem Flughafen Pittsburgh
eine Tupolev Tu-144 als Museumsstück schenken würde. Zur feierlichen Übergabe würde sogar der russische Botschafter
anwesend sein,
sowie ein Pilot, welcher sich sehr gut mit Überschallflugzeugen auskennt.
48
Zwei Monate später
Nachdem Professor Edwards den Erzählungen von Agent Taylor aufmerksam zugehört hatte, ließ er das Gesagte etwas im
Raum stehen, bevor er antwortete.
„ Wenn ich ihre Ausführungen richtig verstanden habe Agent Taylor, haben sie in meinen Augen einen großartigen Job
gemacht. Sie haben nicht nur einen mysteriösen Fall gelöst, und das auch noch ohne eine Internationale Krise zwischen
Russland und den Vereinigten Staaten heraufzubeschwören, sie haben einem Menschen zu einer neuen Identität
verholfen, welcher heute glücklich in Chicago lebt, und sie haben dem Airport Pittsburgh zu einem neuen
Museumsflugzeug verholfen. Einer Tupolev Tu-144, ein Überschallflugzeug aus Zeiten der ehemaligen Sowjetunion.
Das ist bewundernswert.“
„ Danke.“ sagte Tara bescheiden.
„ Doch was führt sie zu mir ?“ fragte der Professor und schaute ihr in die Augen.
„ Ich bin auf der Suche nach dem fehlendem Link, nach einer Antwort auf das Geschehene.“
Der Professor suchte nach einer plausiblen Antwort und ließ sich etwas Zeit, bevor er antwortete. „Durch die Tatsache,
dass das Flugzeug offenbar aus einer anderen Zeit als der jetzigen stammt, gehe ich davon aus, dass es sich hierbei um
ein Raum Zeit-Paradoxon handelt.“ Tara schaute den Professor ungläubig an und brachte vorsichtig hervor: „Sie sprechen
von Zeitreisen ?“ Professor Edwards hob leicht seine Schultern um zum Ausdruck zu bringen, dass dies seine Meinung sei.
„ Die meisten Menschen nennen es Science Fiction, ich sehe es mehr von der wissenschaftlichen Seite,“ wobei er auf die
vielen Bücher und Manuskripte in seiner Bibliothek zeigte. Sie saßen in einem holzgetäfelten Raum, offenbar das
Arbeitszimmer des Professors. „Nun, es wäre eine mögliche Erklärung dafür, dass eine Maschine zu Zeiten der
Sowjetunion im Jahr 1990 aufgestiegen war und dann im Jahr 2018 hier in Chicago wieder landet. Es würde viel Zeit und
technisches Verständnis voraus setzen, um das im Ganzen zu verstehen. Damit möchte ich sie nicht überfordern, aber ich
würde ihnen gern eine meiner Abfassungen zu diesem Thema überlassen, wenn sie möchten.“ Er reichte ihr eine Mappe
mit seinen Aufzeichnungen. „ Ich überlasse ihnen gern dieses Manuskript, vorausgesetzt ich bekomme es wieder.“ Tara,
immer noch ein wenig ungläubig über diese Aussage von Professor Edwards, nahm die Mappe und schaute sie
nachdenklich an.
„ Das wäre, sollte so etwas wirklich möglich sein, eine Erklärung,“ wobei sie immer noch nicht überzeugt wirkte. „ Nun,
vergessen sie bitte nicht, das es sich hierbei um meine Erklärung zu diesem Fall handelt, und um meine Meinung zu hören
geht es ihnen doch bei ihrem Besuch, oder? Wie gern hätte ich ihre Geschichte veröffentlicht, aber das ist wohl nicht in
ihrem Interesse,“ meinte er resigniert. „ Eher nicht, aber warum schreiben sie nicht einen fiktiven Roman darüber,“ gab Tara
lächelnd zurück.
Bob hätte der Besuch bei Professor Edwards und seiner Analyse gefallen, kam doch der Vorschlag Professor Edwards
aufzusuchen von ihm. Sie erinnerte sich, dass auch Bob kürzlich von Zeitreisen sprach, sie aber nicht weiter darauf
eingegangen war, da sie wusste, dass Bob hin und wieder einem Joint nicht abgeneigt war.
„ Eine wichtige Sache wäre da noch,“ sagte der Professor und beugte sich leicht in seinem Sessel vor. „ Das Ganze hat
einen Haken,“ wobei er eine kleine Pause einlegte. „ Sie können mit niemanden darüber sprechen.“ „Warum nicht ?“ fragte
Tara. Und er antwortete: „Weil ihnen niemand glauben würde.“
Ende

Заметно раздраженный, Джон Берри, начальник управления воздушного движения в международном аэропорту Чикаго О’Хара, входит в башню. Видимо, он уже был на пути домой, что было легко увидеть на пальто, шляпе и портфеле. В неотложных случаях время закрытия его работы — это скорее желаемое за действительное. И это выглядело как срочное дело. Небольшая группа сотрудников собралась вокруг авиадиспетчера и заворожила его монитор. они Сразу же образовалась решетка, когда босс направился к авиадиспетчеру. Аллен Паркер работал авиадиспетчером в аэропорту в течение 15 лет. «Почему, во имя Бога, взлетно-посадочная полоса 10L / 28R была заблокирована? Почему наша самая длинная и самая важная взлетно-посадочная полоса? » спросил он пилота. «Сэр, мы ожидаем экстренной посадки», — ответил Паркер. «Это не объясняет мой вопрос, почему это должен быть 10L / 28R.» Довольно часто, они были в беспорядке Lear Jets Взлетно-посадочные полосы знаменитости Западного побережья нужно заблокировать. Аварийные посадки не были редкостью, но они никогда не закрывали главную взлетно-посадочную полосу. «Сэр, на моем мониторе появился неизвестный летающий объект без идентификации или связи. Два перехватчика немедленно поднялись и, по словам летчика-истребителя, все под контролем. Один из них связался руками с пилотом летающего объекта и попросил его следовать за ними и земля. Скоро их увидят ». Не сводя глаз с монитора, он вручил бинокль своему боссу. «Какой тип самолета является летающим объектом?» — спросил Джон Берри. не сводя глаз с бинокля. «Это странная вещь и причина, почему я заблокировал нашу самую длинную взлетно-посадочную полосу. Пилот Истребители дали ему это будет Конкорд. «Медленно и несколько смущенно Джон Берри опустил это Бинокль. «Пожалуйста, что, Конкорд? Мы должны знать, что полетные операции Конкорда установлены лет назад было. Я предполагаю, что Добро никогда не видел Конкорда в воздухе. Может быть, в его молодом возрасте. Конкорд! Это я не смеюсь «. «Сэр, их сейчас нужно увидеть», — объявил пилот, также взяв бинокль. Сумерки были использовать и на расстоянии вы могли видеть огни приближаются. Незадолго до посадки перехватчики запустились и повернул налево и направо. Ее работа была выполнена. В Башне все наблюдали за посадкой самолета. На взлетно-посадочной полосе стояли пожарная служба, полиция и др. Спасатели готовы к чрезвычайной ситуации. После установки машины, которая выглядела из вида башни как гигантское насекомое, она пошла на короткий момент голос босса. Затем он поймал себя. «Что, во имя Бога, здесь происходит?» короткий перерыв «Это Конкорд! Да, она выглядит как Конкорд! »Затем он успокоился. Короткая передышка и он объявил: «Только это Ту-144. Советская версия Конкорда. Туполев вышел 70-х годов. «Вы могли видеть, что некоторые из пилотов были 70-х годов слишком давно. Конечно, они знали Конкорд, но Ту-144? «Я немедленно свяжусь с властями и хочу через час увидеть всех, кто участвует в панике». Джон Берри объявил. Среди сотрудников конференц-зал для необычной авиационной деятельности обычно упоминался как Комната паники. 2 «Действительно ли нужны сирены и синие огни? Я имею в виду все праздничное освещение? «Тара Тейлор спрашивает своего водителя. «Агент Тейлор, моя работа — как можно быстрее доставить вас к выходу в аэропорт. Без синего света и сирены, потребуется мы вечно в этом трафике. Извините. Он дружелюбно улыбнулся ей в зеркало заднего вида и сразу же установил новое. Обгон маневров. Нет шансов, что она ехала не в UBER, а в городской машине F.B.I по дороге к наверное срочное дело. Она узнает об этом подробно. Аэропорты — не лучшее место для Тары. Будь то вечный порыв или недоверие к органам управления. Не настоящее место для отдыха. Тара любила передвигаться по Чикаго пешком или на метро. Даже если они в порядке был в пути. Один взял больше был. Разобравшись с загадочными событиями прошлого года, которая была ее первой в ФБР в то же время была, она была с труппой в качестве специалиста в таких случаях. Она действительно не заботилась о сверхъестественном или чем-то подобном. Она представилась агентом ФБР, чтобы преследовать и арестовывать плохих парней, но ее начальник не согласился. для он был подходящим человеком для таких случаев. Террор или захват заложников прошли через ее разум. Прошу не надо. В любом случае, достаточно серьезно, чтобы включить ФБР откинулся в шрифте и попытался немного расслабиться. У выхода 4 к ним уже присоединился сотрудник аэропорта 1